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Warum Blade Runner ein Meisterwerk ist

Finstere Straßenschluchten, flackernde Neonlichter und ein Regen, der niemals endet: Blade Runner ist Ridley Scotts bildgewaltige Zukunftsvision eines Großstadtmolochs und ein Klassiker der Science-Fiction. Was viele nicht wissen: Der Start von Blade Runner im Jahr 1982 verlief schleppend. Erst im Laufe der Jahre mauserte er sich zum Kultfilm, der eine immer größere Fangemeinde gewinnen konnte.

Der offizielle Trailer liefert einen Vorgeschmack auf Blade Runner 2049 (© Sony Pictures Germany).

Unter der Regie von Denis Villeneuve (Arrival, Sicario) kommt am 5. Oktober die Fortsetzung des Kultfilms in die Kinos. In Blade Runner 2049 feiert Harrison Ford ein Comeback als Rick Deckard und auch Edward James Olmos ist wieder mit von der Partie. Neu ist hingegen Ryan Gosling, der sich an die Fersen des ehemaligen Blade Runners heftet. Bleibt abzuwarten, ob Blade Runner 2049 den Erfolg des legendären Vorgängers bestätigen oder sogar übertreffen kann.

Warum das Original zum visionären Meisterwerk wurde? Ein Rückblick auf Blade Runner:

Dystopie statt Fantasy

Science-Fiction war bis in die 80er-Jahre hinein entweder humanistische Utopie wie Star Trek oder märchenhafte Fantasy wie Star Wars. Eine erst später folgende düstere Strömung des Genres holte Science-Fiction zurück auf die Erde: Cyberpunk wagte den Blick in die nahe Zukunft, die alles andere als rosig aussah. Der blinde Fortschrittsglaube brachte nicht den erhofften Wohlstand für alle. Stattdessen sind korrupte Megakonzerne an der Macht, die an keine Gesetze gebunden sind. Die Menschen optimieren sich mit Hightech-Implantaten und wer kein Geld für ein Update hat, gerät schnell aufs Abstellgleis. Drumherum, so die dystopische Zukunftsvision, geht die marode Gesellschaft langsam vor die Hunde.

Harrison Ford in Blade Runner.
Düstere Welt im Dauerregen: Blade Runner ist ein Cyberpunk-Klassiker (© Warner/DDP Images).

Meilenstein des Cyberpunks

Ridley Scott war der erste Regisseur, der der Cyberpunk-Bewegung einen filmischen Meilenstein setzte. Blade Runner lieferte mit seiner düsteren Kulisse aus Wolkenkratzern, Neonwerbung und Dauerregen der dystopischen Welt einen optischen Grundanstrich, den unzählige Actionfilme von Ghost in the Shell über Twelve Monkeys bis hin zu Matrix übernahmen. Was die Charaktere angeht, fand Scott Inspiration im Film noir der 40er- und 50er-Jahre: Er unterzog die Außenseiterrollen der Privatdetektive und Ganoven einem Hightech-Update und schuf so die prototypischen Vertreter des Genres. Nicht umsonst wird Cyberpunk auch als „Tech noir“ oder „Neo noir“ bezeichnet.

Der Autor Philip K. Dick nahm mit seiner Romanvorlage „Do Androids Dream of Electric Sheep?“ vieles von dem vorweg, was später als Cyberpunk bezeichnet wurde. Aber erst der Stil und das Setting von Blade Runner definierte das Aussehen des Genres, das bis heute in Stein gemeißelt scheint.

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Harrison Ford in Blade Runner.
Harrison Ford spielt in Blade Runner den Ex-Polizisten Rick Deckard (© Warner/Imago).

Düstere Visionen

Auch, was Blade Runner anbelangt, gilt: Die Achtziger sind zurück. Nicht nur in der Musik und in der Mode, sondern auch in Zukunftsvisionen aus dem Film. Zwar regnet es nicht ständig, aber zumindest in technischer Hinsicht zeigen sich die Fiktionen des Cyberpunk-Epos erstaunlich weitsichtig.

Die weltweite Vernetzung ist heute längst verwirklicht. Auch Virtual Reality und Cyberspace sind kurz vor dem Durchbruch. Die erste Generation an VR-Brillen steht bereits in den Läden: Sie ermöglichen den Anwendern, sich im virtuellen Raum zu bewegen und mit anderen Avataren zu interagieren – auch wenn es dafür immer noch eines externen Hilfsmittels bedarf.

Eine immer größer werdende Gruppe sogenannter Body-Hacker versucht jedoch, die menschlichen Sinne durch den Einbau von Hightech auf ein neues Level zu hieven. Sie lassen sich Magnete in die Hände implantieren, um elektrische Felder zu spüren oder tragen Mikrochips unter der Haut, um Türen zu öffnen. Dass es einmal Maschinenmenschen wie Cyborgs oder eben Replikanten wie in Blade Runner geben könnte, erscheint plötzlich realistisch.

Übermächtige Konzerne

Neben technischen Trends nahm Blade Runner aber auch gesellschaftliche Entwicklungen vorweg. Megakonzerne sind bereits zu den größten Wirtschaftsmächten der Erde aufgestiegen. Sie stehen zwar nicht über dem Gesetz, unterliegen aber immer weniger Regularien. Gleichzeitig büßen Staaten schleichend ihre Macht ein.

Natürlich bedeutet diese Entwicklung nicht, dass die Gesellschaft kurz vor dem Eintritt in eine Dystopie steht. Das Bewusstsein der Menschen können diese bedenklichen Trends dennoch schärfen – zumal viele der Zukunftsvisionen aus Blade Runner bereits wahr geworden sind.

Riesige Wohntürme, fliegende Autos: So stellte sich Regisseur Ridley Scott den Großstadtmoloch Los Angeles im Jahr 2019 vor (© Warner/Imago).

Akribische Atmosphärenzauberei

Blade Runner ist mittlerweile 35 Jahre alt. Dennoch sieht die dunkle Welt nicht nach einem Relikt aus einer pre-digitalen Zeit aus. Sie wirkt echter als die meisten Produktionen aus dem Hightechlabor. Warum ist das so?

Ein Grund für den authentischen Look von Blade Runner liegt in der Detailverliebtheit der Regie. Ridley Scott hatte zuvor 2.000 Werbefilme gedreht – und näherte sich mit der gleichen Akribie auch dem Actionfilm Blade Runner. Gemeinsam mit seinem Designer Syd Mead entwarf er eine Fülle von futuristischen Fahrzeugen, Gegenständen, Gebäuden und Texturen, die für einen authentischen Look abgenutzt, repariert, geflickt und beschmutzt wurden. Schicht für Schicht und in Kleinstarbeit hauchte er so seiner Filmstadt Leben ein.

Malerische Endzeitstimmung

Auch die Beleuchtung spielte eine entscheidende Rolle bei der Ausarbeitung der düsteren Ästhetik von Blade Runner. Als wichtigste Inspiration für den Film-noir-Look gab Ridley Scott das Bild „Nighthawks“ des amerikanischen Malers Edward Hopper aus. Der starke Kontrast, das kühle Kunstlicht, die exponierten Individuen – unzählige Male reproduzierte der Regisseur Hoppers Lichtstimmung in seinem Kultfilm.

Wie aus einem Guss: Unzählige Miniaturmodelle sorgen in Blade Runner für die richtige Atmosphäre (© Warner/Action Press).

Damit legt er das Gefühl permanenter Bedrohung über die Bewohner seiner Zukunftsstadt: Das Licht kriecht durch alle Ritzen, an keinem Ort sind die Protagonisten vor den Suchstrahlern sicher. Privatsphäre existiert nicht mehr in Ridley Scotts dystopischer Gesellschaft.

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Schaurige Soundwände

Musik stärkt gewöhnlich die Stimmung eines Films oder schwächt sie ab. In Blade Runner ist der Soundtrack aber mehr als bloße Ergänzung zu den Bildern: Vangelis verschmilzt Soundeffekte, Musik und Dialoge zu einer Einheit, die den albtraumhaften Eindruck des Großstadtmolochs verstärkt. Der omnipräsente Halleffekt verstärkt das Gefühl eines riesigen geschlossenen Raums – exakt die paranoide Stimmung, die Ridley Scott für seinen Kultfilm vorgesehen hat.

Vangelis’ musikalischer Vibe soll mit Blade Runner 2049 erhalten bleiben. Der Regisseur Denis Villeneuve heuerte dafür den Komponisten Jóhann Jóhannsson an, mit dem er bereits bei Arrival erfolgreich zusammengearbeitet hat. Ob dabei ein Kult-Soundtrack wie beim Original herausspringt, bleibt abzuwarten.  

Fazit: Mit Rick Deckard schlüpfte Harrison Ford wohl in die beste Rolle seiner Karriere. Seinen denkwürdigen Gegenpart spielte Rutger Hauer als Maschinenmensch Roy Batty. Doch nicht die Schauspieler, vor allem die Vorhersagen des Actionfilms blieben in Erinnerung: Die dystopische Zukunft, die der Kultfilm beschreibt, ist heute teilweise wahr geworden.  

Diesen Film findet ihr als Video on Demand bei Videoload auf EntertainTV

Blade Runner

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