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Christopher Nolan: Der Meister der Täuschung

Der Film ist vorbei, doch das Kopfkino bleibt: Nach manchen Filmen hat das Publikum ein riesengroßes Fragezeichen auf der Stirn. Das gilt ganz besonders für ein Genre: „Mindfuck-Filme“ führen die Zuschauer aufs Glatteis und überraschen sie mit irren Wendungen. Wer den Faden nicht verlieren möchte, muss sich konzentrieren – und im Film auf klitzekleine Details achten. Im Gegensatz zur üblichen Kost im Kino ist der Ausgang dieser Filme nicht so leicht vorhersehbar.

Hugh Jackman in Prestige.
Was geht hier vor? Das fragt sich nicht nur Hugh Jackman in Prestige, sondern so mancher Zuschauer in einem Film von Christopher Nolan (@ Action Press).

König dieses Genres ist der Regisseur Christopher Nolan (Batman Begins, The Dark Knight Rises, Interstellar): Keiner führt die Zuschauer so gekonnt an der Nase herum wie der Brite. Christopher Nolan machte die narrative Fallgrube im Kino salonfähig und wurde so zu einem der innovativsten Erzähler Hollywoods.

Am 27. Juli startet Christopher Nolans aktueller Kinofilm Dunkirk. Ob der Regisseur wieder tief in die Trickkiste greift, bleibt abzuwarten. Der Kinostart des Blockbusters ist ein guter Anlass, um zwei seiner Meisterwerke genauer unter die Lupe zu nehmen.

Die Magie der Macht

Einen guten Einstieg in die schräge Welt der Mindfuck-Filme bietet Prestige – Die Meister der Magie. Christopher Nolan inszeniert das bildgewaltige Magierspektakel wie einen filmischen Zaubertrick. Sowohl der Regisseur als auch die Protagonisten treiben das Spiel von Wahrnehmung und Täuschung auf die Spitze. Im Mittelpunkt des Films stehen die Illusionisten Alfred Borden (Christian Bale) und Robert Angier (Hugh Jackman), Schüler des großen Cutter – gespielt von Nolans ewiger Vaterfigur Michael Caine. Als Borden bei einem Entfesselungstrick Angiers Frau tötet, werden die beiden Freunde zu Feinden. Das setzt einen Rachefeldzug in Gang, bei dem Angier fortan mit allen Mitteln versucht, das Leben von Borden zu zerstören.

Christian Bale in Prestige.
Der erste Akt eines Zaubertricks: das Versprechen. Christian Bale spielt in Prestige den Magier Alfred Borden (© Action Press).

Rache als Triebfeder der Handlung, das war bereits in Christopher Nolans zweitem Film Memento so. Und wie in dem Indie-Meisterwerk Memento schießen die Protagonisten auch im Film Prestige übers Ziel hinaus. Um den Erzfeind zu übertrumpfen, ist den fanatischen Zauberern jedes Mittel recht. In einem Teufelskreis aus Eifersucht, Obsession und Verrat zerstören sie nicht nur sich selbst, sondern auch die Menschen in ihrer Umgebung.

Borden scheint das teuflische Kräftemessen schließlich für sich zu entscheiden. In seinem Meisterstück „Der transportierte Mann“ schreitet er durch eine frei stehende Tür – nur um Augenblicke später aus einer anderen hervorzutreten. Niemand weiß, wie dieser Zauber funktioniert. Das macht Angier wahnsinnig. Ein Doppelgänger? Zu simpel. Schließlich reist Angier zum genialen Tüftler Tesla, der von David Bowie fantastisch gespielt wird. Der Grenzgänger zwischen Magie und Wissenschaft soll ihm seine eigene Version des „transportierten Mannes“ entwerfen.

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„Jeder magische Trick besteht aus drei Akten“, erklärt Cutter zu Beginn des Dramas. Der erste, das Versprechen, stellt etwas Bekanntes vor. Im zweiten, der Wendung, verwandelt der Magier das Bekannte in etwas Außergewöhnliches. Und im dritten Akt steckt das Geheimnis. Diese Aufteilung lässt sich auf Christopher Nolans gesamten Film übertragen. Zuschauer lassen sich leichtgläubig von Angier hinters Licht führen, wenn er ihnen weismacht, dass ein Doppelgänger eine viel zu simple Lösung sei. Später stellt sich heraus, dass Borden sehr wohl einen Doppelgänger hatte: einen geheimen Zwillingsbruder, mit dem er sich Frau und Leben teilt, nur damit der Trick funktioniert.

Das größte Mysterium des Films, Teslas Version des „transportierten Mannes“, lüftet Christopher Nolan sogar schon am Anfang – bei einem unscheinbaren Zaubertrick: Dabei verschwindet ein Vogel im Käfig und taucht später wieder auf. Ein kleiner Junge, der den lebenden Vogel vor sich hat, lässt sich trotzdem nicht beruhigen. „Was ist mit seinem Bruder?“, fragt er. Er hat recht: Bei jeder Aufführung wird ein Vogel vom Käfig zerquetscht und durch einen neuen ersetzt – die Auflösung für Angiers „transportierten Mann“.


Trügerische Traumwelten

Für den Film Inception setzt Christopher Nolan die Illusionsmaschine erneut in Gang. Diesmal geht es aber nicht um Zaubertricks, sondern um Traumwelten. Leonardo DiCaprio spielt im Drama Inception den Meisterdieb Dom Cobb, der in Träume einsteigt, um Geheimnisse zu erbeuten. Damit macht er sich allerdings mächtige Feinde, die ihm die Rückkehr zu seinen Kindern versperren. Abhilfe verspricht der japanische Großindustrielle Saito (Ken Watanabe), für den er einen riskanten Coup landen soll: Saito möchte keine gute Idee stehlen – sondern eine schlechte Idee in den Kopf eines Konkurrenten einpflanzen.

Leonardo DiCaprio in Inception
Traum oder Wirklichkeit? Dom Cobb (Leonardo DiCaprio) ist in Inception ein Wandler zwischen den Welten (@ Action Press).

Klingt kompliziert? Ist es auch. Christopher Nolan schickt die Akteure in Inception auf die Reise durch ein Labyrinth des Unterbewussten und zieht den Zuschauern dabei mehrmals den Boden unter den Füßen weg. Denn um auf die Ebene zu gelangen, auf der Ideen geboren werden, muss Cobb viele weitere Level durchqueren – im Prinzip wie in einem Computerspiel: Er durchkämmt nicht nur die Traumebene, sondern auch den Traum im Traum, ebenso den Traum im Traum im Traum – und so weiter und so fort. Zudem droht ihm stets der Absturz in den Limbo, die Vorhölle des Unterbewusstseins, aus der es kein Entkommen gibt.

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Bei so vielen Ebenen kann man schnell den Überblick verlieren. Was ist Traum? Was Realität? Die Grenzen verschwimmen. Seinen Höhepunkt erreicht das verschachtelte Verwirrspiel mit der letzten Szene. Alles scheint in ein Happy End zu münden: Cobb hat den Job für Saito erledigt und ist mit seinen Kindern wiedervereint. Klingt so weit ganz gut – wäre da nicht die Sache mit dem Kreisel. Cobb benutzt nämlich ein Totem – besagten Kreisel –, um zu überprüfen, ob er sich wieder in der Wirklichkeit befindet. Fällt er um, ist er in der realen Welt, dreht er sich immer weiter, befindet sich Cobb noch im Traum.

Der Moment, in dem Cobb seine Kinder trifft, ist so vollkommen, dass er wie eine Traumsequenz wirkt. Deshalb benutzt er den Kreisel. Doch ehe der zu schlingern beginnt, schneidet Nolan auf Schwarz – und lässt die Zuschauer im Dunkeln.  


Im Film Inception gibt es rätselhafte, atemberaubende Momente zuhauf – etwa wenn die Traumarchitektin ganze Pariser Straßenzüge wie ein Papierblatt faltet. Ähnlich fabelhaft sind auch die Filme von Regisseur David Lynch. Er sorgte zum Beispiel mit Lost Highway oder Mulholland Drive für den ein oder anderen Mindfuck. Jetzt führte er erneut Regie bei der Kultserie Twin Peaks – Fans und Kritiker sind begeistert.

Illusion schön und gut. Aber schreibt nicht das Leben die besten Geschichten? Zumindest bei diesen Horrorfilmen ist das der Fall. Denn sie basieren auf wahren Begebenheiten.

Diese Filme findet ihr als Video on Demand bei Videoload auf EntertainTV

Interstellar
Prestige – Die Meister der Magie
Inception

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