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Deutsche Serien auf dem Höhenflug

Wir befinden uns im goldenen Zeitalter der Serien. Auslöser waren Meisterwerke wie The Wire, Mad Men oder Breaking Bad. Dutzende Top-Produktionen buhlen um die Gunst der Zuschauer. Allerdings: Einheimische Serienmacher haben den Trend lange verschlafen. Deswegen blieben Serienkracher aus Deutschland lange Mangelware. Das soll sich jetzt ändern: High-End-Formate wie DARK auf Netflix, Babylon Berlin oder You Are Wanted zielen auf ein internationales Publikum ab und wollen mitspielen im Konzert der großen US-Produktionen. Kann das gelingen? Wenn ja, mit welchen Serien?

Filmszenen aus DARK, 4 Blocks, Im Angesicht des Verbrechens, Babylon Berlin, You Are Wanted.
Beginnt das goldene Serienzeitalter nun endlich auch in Deutschland? Einige neuere Produktionen sprechen dafür (DARK © Netflix, 4 Blocks © ZDF / TNT, Babylon Berlin © Sky / ARD, Im Angesicht des Verbrechens © MFA / ARD, You are wanted © Amazon).

Der Startschuss: Im Angesicht des Verbrechens

Sieben Jahre ist es her, dass deutsche Serienjunkies verwundert vor dem Fernseher saßen und sich die Augen rieben. Da lief diese Krimiserie, die so anders war als alles, was man vom deutschen Fernsehen kannte. Es gab ausgeklügelte Dialoge, ambivalente Figuren und eine Hauptstadt des Verbrechens, wie man sie noch nie zuvor im Fernsehen gesehen hatte. Liebe, Verrat und Gier trieben die Handlung voran und formten ein Epos, dessen verästelte Erzählweise das Publikum forderte.

Szene aus „Im Angesicht des Verbrechens“.
Vielschichtige Figuren, komplexe Handlung: „Im Angesicht des Verbrechens“ brachte neuen WInd in die deutsche Serienlandschaft (© MFA / ARD).

Kurz: Im Angesicht des Verbrechens war eine kleine TV-Sensation für hiesige Verhältnisse. Die Serie von Regisseur Dominik Graf hätte ein Fingerzeig in eine glorreiche Zukunft des deutschen Fernsehens sein können, fernab von Routinekrimis und Vorabendarztserien. Das Problem: Kaum jemand bekam die zehn Folgen zu Gesicht. Noch während der Ausstrahlung der ersten Staffel verließ die Programmchefs der Mut, und so wurde Im Angesicht des Verbrechens nach bescheidenen Einschaltquoten ins Spätprogramm abgeschoben. Es sollte für viele Jahre das letzte ambitionierte Serienprojekt in Deutschland bleiben.

Das hat sich nun geändert. Allgemein gibt es ein viel größeres Interesse an Serien und demzufolge ein größeres Budget auf Produktionsseite. Zeitgleich schwindet die Anzahl jener, die sich um 20.15 Uhr auf die Couch setzen, um dem linearen TV-Programm zu folgen. Und nun, so scheint es, beginnt in Deutschland doch noch das goldene Serienzeitalter.

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Szene aus „Your Are Wanted".
„You Are Wanted“ mit Louis Hofmann und Matthias Schweighöfer ist die erste deutsche Serienproduktion von Amazon (© Amazon).

Der Eisbrecher: You Are Wanted

Wichtige Pionierarbeit leistete You Are Wanted, auch wenn die Meinungen gespalten sind. Die Dramaserie mit Matthias Schweighöfer, gestartet im März 2017 auf Amazon, orientiert sich stilistisch am Cybercrime-Drama Mr. Robot und erzählerisch am Mystery-Thriller True Detective. Etwas zu nah an den Originalen, fanden viele Kritiker und bemängelten fehlende Kreativität und Déjà-vu-Erlebnisse am laufenden Band. Das ist nicht ganz gerecht.

Denn wer möchte sich ernsthaft darüber beschweren, dass eine Serie einmal nicht nach Alarm für Cobra 11 oder dem Tatort aussieht und stattdessen den großen US-Vorbildern nacheifert? Spannend inszeniert und handwerklich perfekt ist You Are Wanted allemal. Auch international setzte die Serie erste Duftmarken, Amazon bestätigte die Produktion einer zweiten Staffel.

Szene aus „Babylon Berlin".
Der Turmbau zu Babelsberg: „Babylon Berlin“ ist die teuerste deutsche Fernsehproduktion aller Zeiten (© Sky / ARD).

Der Durchbruch: Babylon Berlin

Das deutsche Megaprojekt schlechthin ist Babylon Berlin. Die einzigartige Kooperation zwischen dem Bezahlsender Sky und der öffentlich-rechtlichen ARD kostete 40 Millionen Euro und ist damit die teuerste deutsche TV-Produktion aller Zeiten. Neben dem Who’s who der deutschen Schauspielerriege waren gleich drei Regisseure mit an Bord: Tom Tykwer, Henk Handloegten und Achim von Borries. Nach der Romanvorlage von Volker Kutscher drehten sie ein rauschhaftes Gesellschaftspanorama über den Berliner Moloch Ende der Zwanzigerjahre.

Im Mittelpunkt der Geschichte steht Kriminalkommissar Gereon Rath (Volker Bruch). Er ist neu in der Hauptstadt – allerdings nicht zum Vergnügen, wie sonst so viele um ihn herum, sondern um einen Pornoring auszuheben. Gemeinsam mit der Stenotypistin und Gelegenheitsprostituierten Charlotte Ritter (Liv Lisa Fries) gerät er zwischen die Fronten von „Schwarzer Reichswehr“ und dem Boss der Berliner Unterwelt (Mišel Matičević), von allen nur „der Armenier“ genannt. Babylon Berlin besticht durch beeindruckend choreografierte Tanzszenen im Moka Efti, dem Berghain der Zwanziger, die in ihrer Eleganz neue Maßstäbe in der deutschen Fernsehunterhaltung setzen – und webt leichthändig historische Kontexte in die Handlung ein. Die Serie entwickelt einen Sog, den man bei deutschen Serien bislang nicht kannte – ein echter Serienhit auf internationalem Niveau.

Das Highlight: DARK auf Netflix

Nicht viel geringer sind die Erwartungen an eine andere deutsche Serie: Auch DARK, die erste deutsche Netflix-Original-Serie, seit dem 1.12. auf Netflix mit EntertainTV zu sehen, hat das Zeug zum internationalen Quotenhit. Ähnlich wie bei den Genre-Giganten Twin Peaks oder Stranger Things lauert bei DARK das Grauen in der Provinz. Genauer: in der deutschen Kleinstadt Winden. Dort verschwinden zwei Jungs, vier Familien machen sich auf die Suche nach ihnen. Bei den Ermittlungen kommen allerhand düstere Geheimnisse an die Oberfläche und werfen ein neues Licht auf die Bewohner.

Szene aus „DARK".
Wo ist Mikkel? Bei der Suche nach dem verschwundenen Jungen kommen düstere Geheimnisse ans Licht (© Netflix).
Szene aus „DARK".
Louis Hofmann spielt in „DARK“ eine der Hauptrollen – nach You Are Wanted schon die zweite große Serienproduktion für den Senkrechtstarter (© Netflix).
Szene aus „DARK".
Ulrich Nielsen (Oliver Masucci) setzt alle Hebel in Bewegung, um seinen Sohn wiederzufinden (© Netflix).
Szene aus „DARK".
Unerklärliche Dinge geschehen in der deutschen Kleinstadt Winden: „DARK“ ist eine Mischung aus Thriller und Mystery (© Netflix).
Szene aus „DARK".
Schreck lass nach: Jonas (Louis Hofmann) wird von seinem toten Vater heimgesucht (© Netflix).

Wie der Name vermuten lässt, ist DARK ein düsterer Mix aus Mystery- und Dramaserie. Das Produzententeam legte mit einer Kombination aus Newcomern wie Louis Hofmann (Lommbock) und bekannten Schauspielern wie Jördis Triebel (Die Päpstin) viel Wert auf eine vielschichtige Charakterdarstellung. Schon der Kino-Look mit Hochglanzoptik bekräftigt, dass DARK sich von deutscher Serientristesse abheben möchte. Mit Mystery-Momenten, Gänsehaut-Garantie und vielen dunklen Geheimnisse könnte DARK das nächste Highlight deutscher Serienproduktionen werden.

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Szene aus „4 Blocks".
Organisierte Gewalt im Drogen- und Rotlichtmilieu: „4 Blocks“ ist nichts für schwache Nerven (© ZDF / TNT).

Der Ausblick: 4 Blocks

Die deutsche Serienlandschaft blüht, mit einer Serie sogar schon zum zweiten Mal: Für 2018 steht die Fortsetzung von 4 Blocks in den Startlöchern. Die Berliner Gangster-Saga um Ali „Toni“ Hamady (Kida Khodr Ramadan) und seinen arabischen Familienclan zeichnet ein überzeugendes Sittengemälde nach dem Vorbild der HBO-Mafiaserie Die Sopranos. Klar, Neukölln ist nicht New York. Die Serie punktet jedoch mit dem räudigen Charme Berliner Hinterhöfe, einer authentischen Besetzung (Frederick Lau, Veysel Gelin, Rapper Massiv) und der Erkenntnis, dass mafiöse Strukturen auch ums Eck zu finden sind.

Sogar hochaktuelle Themen wie Gentrifizierung und Multikulturalismus finden Platz in 4 Blocks und machen die Serie zum Relevantesten, was dieses Jahr über deutsche Mattscheiben flimmerte. Die Produktion des kleinen Bezahlsenders TNT erzeugte auch international positive Resonanz: Kida Khodr Ramadan wurde beim französischen Festival „Séries Mania“ als bester Hauptdarsteller ausgezeichnet.

Die Erkenntnis: Deutsche Serien räumen ab

Dass auch internationale Festivals wieder deutsche Serien auf dem Schirm haben, demonstriert den neuen Stellenwert hiesiger Produktionen. Das zeigte sich auch Ende November bei den International Emmy Awards in New York. Dort konnte die relativ unbekannte ZDF-Produktion Familie Braun einen der wichtigsten internationalen Fernsehpreise einheimsen. Weit mehr als ein Achtungserfolg. Und siehe da: Das goldene Serienzeitalter hat in Deutschland begonnen – wenn auch mit ein wenig Verspätung.

Film- und Serienfans, aufgepasst: Netflix ist auf EntertainTV verfügbar – mit den Media-Receivern 401 und 201. Weitere Infos gibt es hier:

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