Made in Germany: Unsere Serien-Dauerbrenner

In Zeiten von Netflix, Maxdome und Co. – die mit wahren Serien-Brillanten wie Game of Thrones oder House of Cards aufwarten – bleibt die Frage: Was sind dagegen schon deutsche Fernsehserien? Eine klare Antwort darauf gibt der Tatort. Bei den Mittzwanzigern ist das gemeinschaftliche Tatortschauen ein Event. Für so manche Eltern ist es die Ruhepause, nachdem sie die Kleinen ins Bett gebracht haben. Für wieder andere ist es das Ritual, das für sie das Wochenende ausklingen lässt. Und häufig ist Thema Nummer eins am Montagmorgen im Büro: Wie gut war die Folge vom Vorabend? Tatort ist Trend. Und zwar einer, der bislang kein Ende findet. Es gibt allerdings noch weitere deutsche Fernsehserien, die seit Jahren Zuschauer um eine bestimmte Zeit vor den Flimmerkasten locken. Zum Beispiel diese deutschen Serien-Dauerbrenner:

Alarm für Cobra 11.
Gleich knallt's: Semir Gerkhan und sein ehemaliger Kollegen Ben Jäger sind die Autobahn-Cops von Alarm für Cobra 11. (© RTL/Guido Engels).

Cobra übernimmt seit 1996 die Verbrecherjagd auf der Autobahn

Die Autobahnsheriffs von Alarm für Cobra 11 (demnächst wieder bei RTL) müssten im wirklichen Leben ihre Marken längst abgeben. Ohne Rücksicht auf Verluste jagen sie Mördern, Waffenschiebern und Erpressern hinterher – und dabei geht so einiges kaputt. Die Serie lebt von explodierenden Autos, brennenden Lkw und Massenkarambolagen. Dabei nimmt sich die Actionserie nicht ganz so ernst – was übrigens zu ihrem internationalen Erfolg beiträgt. Inmitten der spektakulären Stunts befindet sich immer Semir Gerkhan (Erdogan Atalay), das Gesicht von Alarm für Cobra 11. Seit der dritten Folge ist er dabei. Unterstützung erhält er von seinem mittlerweile achten Kollegen Paul Renner (Daniel Roesner), der in der 20. Staffel an Bord gekommen ist.

Spaß beim Kochen: Tina Kessler und Hildegard Sonnbichler in Sturm der Liebe (© ARD/Marco Meenen).

Stürmisch in der Liebe ist es im Fürstenhof seit 2005

Das oberbayerische 5-Sterne-Hotel Fürstenhof ist Schauplatz für Romantik und Intrigen. In der Telenovela Sturm der Liebe (ARD, werktags, 15:10 Uhr) weht nicht bloß ein laues Lüftchen, sondern es braut sich eher ein Gewitter über den Liebespaaren in spe zusammen. Und genau davon lebt die Soap rund um die Hotelfamilie Saalfeld. In jeder Staffel Sturm der Liebe lernen sich ein Mann und eine Frau kennen, es knistert und mit aufkommenden Gefühlen kommen auch die Probleme. Dabei stellen sich auch schon mal Mord und Entführung der jungen Liebe in den Weg. Aber keine Sorge, spätestens zum Staffelende findet natürlich doch noch die große Hochzeit statt. Das Geheimnis des Erfolges ist Verlässlichkeit und Kontinuität. Niemand muss sich von seinem Lieblingscharakter trennen, denn der stirbt schließlich nie. Ein weiteres Erfolgsrezept: Am Ende ist immer alles gut.

Szene aus der Serie GZSZ.
Auch 2017 haben sie allen Grund zum Feiern. Die Serie GZSZ wurde 25 Jahre alt (© RTL/Rolf Baumgartner).

Gute und vor allem schlechte Zeiten durchleben die Deutschen seit 1992

Die Telenovela GZSZ (Gute Zeiten, schlechte Zeiten, RTL, werktags, 19:40 Uhr) ist eine Auszeit vom Alltag. Dabei ist die Nähe zur Realität gerade das, was die Fans wollen. Nur mit mehr Drama. Die Geschichten über Freundschaft, Familie, Feindschaft und natürlich Liebe fesseln. Mit den unterschiedlichen Charakteren der Seifenoper können sich Zuschauer jedes Alters identifizieren und so begeistert die Serie Jung und Alt. Die Produzenten setzen auf den Standort Potsdam Babelsberg, um in jeweils 25 Minuten viel Spannung und Drama zu packen. Dienstältester ist Wolfgang Bahro. Er spielt den intriganten Strippenzieher und Anwalt Jo Gerner. Seit 1993 ist er mit dabei und hat seinen Vertrag für weitere fünf Jahre GZSZ bereits unterschrieben.

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Die Lindenstraße: Schauplatz der ersten deutschen Seifenoper (© WDR).

Der Einzug in die Lindenstraße fand 1985 statt

Die ARD-Serie Lindenstraße (ARD, sonntags, 18:50 Uhr) ist nach über drei Dekaden in die Jahre gekommen – die Handlung bleibt trotzdem stets am Puls der Zeit. Wie bei GZSZ begeistern hier Storys aus dem echten Leben. Der Serien-Dino erzählt Geschichten aus dem deutschen Wohnzimmer und ist damit immer nah am Geschehen. Oft polarisiert die Sendung im deutschen Fernsehen, indem sie unbequeme Themen wie Flucht und Heimatlosigkeit aufgreift. Auch der erste Kuss zwischen zwei Männern im deutschen Fernsehen fand 1990 in der Lindenstraße statt. Zum ersten Mal geht die Produktion in die Sommerpause. Lindenstraße-Fans brauchen allerdings keine Angst zu haben: Die Produzenten setzen die Serie fort.

Serien mit Potenzial zum TV-Kult: Hindafing

Die deutsche Produktion Hindafing (demnächst wieder bei BR) gilt als absoluter Geheimtipp. Die Heimatserie vom Bayerischen Rundfunk startete zwar erst 2017, aber Kritiker halten sie bereits jetzt schon für ein Highlight der deutschen Serienlandschaft. Sie ist genau das, was wir vom BR nicht erwartet hätten. Das verschlafene Nest Hindafing, irgendwo zwischen Ingolstadt und der tschechischen Grenze gelegen, hat nichts mit der bayerischen Postkartenidylle zu tun. Der Himmel ist meistens grau und von Geranien auf den Balkonen keine Spur. Die Charaktere sprechen Dialekt und die Szenen bauen auf den typisch bayerischen Humor. Mittendrin steht Bürgermeister Alfons Zischl (Maximilian Brückner), der sich in einer kriminellen Abwärtsspirale befindet. Seine Schulden und der Wahlkampf treiben ihn in dubiose Machenschaften – seine Crystal-Meth-Abhängigkeit macht das Ganze nicht gerade besser. Ein neues Öko-Einkaufszentrum soll ihm dabei helfen, Wählerstimmen zu gewinnen. Im Rohbau muss er jedoch zunächst Flüchtlinge unterbringen. Das gefällt nicht jedem Bürger der Provinz. Mit dieser Produktion hat der BR mit der Hochschule für Fernsehen und Film München durch Themen wie Drogenexzesse und Flüchtlingskrise etwas Neues gewagt – und begeistert.

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BR Serie Hindafing.
Hier legt der Bürgermeister noch selbst Hand an: In Hindafing gilt es so einiges zu vertuschen (© BR/Eurovideo).

Im Schatten der USA? Von wegen!

Deutsche TV-Serien von Sendern wie ARD, ZDF und Co. empfinden viele als amerikanischen Abklatsch. So sei etwa Hindafing die deutsche Antwort auf Breaking Bad und die Mysteryserie Weinberg gleiche aufgrund ihrer Handlung der Serie Twin Peaks. Weinberg kurz zusammengefasst: Ein Mann ohne jegliche Erinnerung an sein bisheriges Leben erwacht in einem abgelegenen Weinort an der Ahr. Auch dem ARD-Mehrteiler Die Stadt und die Macht werden Gemeinsamkeiten mit House of Cards nachgesagt. Doch Ähnlichkeiten sind nicht verwunderlich, schließlich sind beide Produktionen Politdramen.

Kritiker nehmen deutsche Serien zu selten eigenständig wahr. Liefern sie etwas für das deutsche Fernsehen Untypisches und Neues, ziehen sie Rückschlüsse auf vermeintliche US-Vorbilder. Der Grund: Der deutsche Standard ist bekannt und hat sich bewährt. Das Krimiformat etwa gilt als typisch deutsch. Versuchen sich Sender in anderen Formaten oder Themen, suchen Kritiker häufig den Vergleich. Zugegeben, die USA scheinen Serienkracher am Fließband zu produzieren, aber Deutschland holt auf – und zwar durch ambitionierte Serien, mit wachsendem Erfolg. Hindafing oder Weinberg sind der Anfang, bleibt abzuwarten, was noch kommt.

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