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Von Dramen und Tragödien in Kinderfilmen

Hanni & Nanni haben mehrere Generationen von Kinder- und Elternherzen höherschlagen lassen. Das wird die Geschichte der chaotischen Zwillingsschwestern, die von den überforderten Eltern mehrfach ins Internat geschickt wurden, nun sicher wieder schaffen: mit der Neuauflage Hanni & Nanni – Mehr als beste Freunde.

Trailer zu Hanni & Nanni – Mehr als beste Freunde © Universal Pictures Germany

Seit 1965 wurde der Kinderbuchklassiker allein in deutscher Sprache in 27 Bänden veröffentlicht. Ganz zu schweigen von den vielen Verfilmungen der lebhaften Zwillings-Abenteuer. Warum sind die Kinderbücher von Enid Blyton eigentlich so erfolgreich? Weil sie friedvoll, herzergreifend und lustig sind. Weil sie wichtige Werte wie Freundschaft und Zusammenhalt vermitteln. Weil sie temporeich und spannend sind. Allerdings: Nicht jeder erfolgreiche Kinderfilm ist so leicht verdaulich. Ein Blick auf andere Kinderfilme zeigt: Es geht auch anders.

Bambi wird zum Halbwaisen

Denkt man an die eigene Kindheit zurück, bleiben nicht nur friedvolle Filme wie die von Michel & Ida aus Lönneberga oder Emil und die Detektive im Gedächtnis. Es sind vor allem erschreckende Szenen in Kinderfilmen, die uns auch noch viele Jahre später zusammenzucken lassen – wie zum Beispiel bei der tragischen Geschichte des Rehs Bambi, dessen glückliche und sorglose Kindheit abrupt endet: Seine aufopfernde Mutter rettet ihren geliebten Sprössling und stirbt selbst durch die Kugel eines Jägers.

Diese tragische Szene hat bei vielen Menschen einen festen Platz im Gedächtnis und ist bis heute präsent. Nicht nur das dramatische Thema, sondern vor allem die orchestrale Filmmusik ist eines der wichtigsten Stilmittel in Bambi. Zwar enthält der Film von Walt Disney insgesamt nur etwa 1.000 Wörter und ist somit arm an Dialogen. Doch er ist reich an Botschaften: Es geht ums Erwachsenwerden sowie um Tod, Rivalität, Freundschaft und um bittere Schicksalsschläge – vor allem um den Tod der Mutter. Dieser melodramatische Kinderfilm zeichnet also ein brutales Bild der Realität. Aber Walt Disney wäre nicht Walt Disney, gäbe es kein Happy End: Bambi gründet mit seiner großen Liebe Feline eine Familie und wird zum Fürsten des Waldes.

Bambi © Action Press/Disney

Schneewittchen wird vergiftet

Neben einer gehörigen Portion Melodramatik gibt es im Kinderfilm in der Regel eine klare Trennung zwischen Gut und Böse. Ein prominentes Beispiel dafür ist die Verfilmung von Schneewittchen und die sieben Zwerge – im Übrigen der erste abendfüllende Zeichentrickfilm von Walt Disney aus dem Jahre 1937. Der Konflikt zwischen böser Stiefmutter und unschuldiger Stieftochter ist nicht nur zeitlos – die Story ist im Prinzip sehr einfach gestrickt: Die Stiefmutter erblasst vor Neid, weil sie nie so hübsch sein wird wie das entzückende Schneewittchen. Als sie keinen anderen Ausweg sieht, beauftragt sie einen Jäger, Schneewittchen im dunklen Wald zu töten. Vergebens, wie wir wissen. Schließlich führt sie den teuflischen Plan selbst aus und vergiftet die nichts ahnende Schönheit mit einem roten Apfel. Heißt also: schon wieder eine schaurige Tragödie im Kinderfilm und erneut eine Geschichte rund um gescheiterte Wünsche und unerfüllte Sehnsüchte. Diesmal umfasst das Happy End sogar den Tod. Schließlich stirbt die bitterböse Stiefmutter.

Schneewittchen © Action Press/Disney

Willy Wonka wird resozialisiert

Erschreckende Szenen müssen nicht immer mit körperlicher Gewalt zu tun haben. Manchmal sind böse Worte mindestens genauso verletzend – jene psychische Gewalt, die sich in bedrohlichen und Angst auslösenden Situationen oder verbalen Auseinandersetzungen zeigt. Diese psychische Gewalt ist ein drittes entscheidendes Element in Kinderfilmen. Im Fall von Antagonist Willy Wonka aus Charlie und die Schokoladenfabrik resultiert die Grausamkeit aus Willys trauriger Vorgeschichte und seiner Außenseiterrolle in der Gesellschaft. Sein zerrüttetes Verhältnis zum Vater sowie zwischenmenschliche Enttäuschungen lassen den doch recht asozialen Dandy – gespielt von Jonny Depp – in seiner Schokoladenfabrik vereinsamen.

Willy Wonka © Action Press/Disney

Von ihm inszenierte Intrigen sowie Wesenszüge wie Habgier und Übermut haben zur Folge, dass Willy Wonka von der Außenwelt isoliert dahinlebt – ein überheblicher, unmenschlicher Charakter, der eigentlich gar nicht der Hauptdarsteller in diesem Film ist. Im Zentrum der Geschichte steht nämlich Charlie Bucket, der mit seiner Mutter und seinen kranken Großeltern in ärmlichen Verhältnissen lebt. Die Wege von Wonka und Bucket kreuzen sich und münden in einem Happy End: Willy Wonka ist beeindruckt von Charlie Buckets Gutherzigkeit und verhilft ihm zu einem besseren Leben: Er macht ihn kurzerhand zum Besitzer seiner Schokoladenfabrik. Im Gegenzug hilft Charlie dem geläuterten Willy, den Kontakt zu seinem Vater zu verbessern und nimmt ihn sogar in seine Familie auf. In Charlie und die Schokoladenfabrik überwiegt also schlussendlich die Liebe zur Familie und besiegt die Raffgier und den Übermut.

Simba und der Kreis des Lebens

Seit einiger Zeit versuchen Forscher vermehrt, die Faszination von Gewalt im Film zu ergründen. Die vage Vermutung einer Studie der Forscherinnen Anne Bartsch und Marie-Louise Mares lautet: Wenn Zuschauer durch die Darstellung von Gewalt im Film wichtige Einsichten über die Realität erlangen können, sind sie bereit, unangenehme und verstörende Bilder zu ertragen. Das kann beispielsweise die Spannung sein, die durch ein sich anbahnendes Unheil oder durch das Bangen um eine Filmfigur erzeugt wird. Zum Beispiel im Fall des Löwenjungen Simba aus König der Löwen. Er ist der Thronfolger im Reich der Tiere. Doch Neid, Missgunst und Machtkämpfe in der eigenen Familie erschweren Simba die Kindheit: Scar, der jüngere Bruder von Simbas Vater Mufasa, will den Thron gewaltsam an sich reißen und Simba töten.
Eine Jagd auf Leben und Tod beginnt – und sie findet ihren Höhepunkt in einem packenden Kampf auf einem Felsen: Scar stößt Simbas Vater die Klippen herunter und feiert seinen Triumph mit den Worten: „Lang lebe der König!“ Diese Tragödie verschlägt nicht nur jungen Zuschauern den Atem. König der Löwen ist ein turbulent inszeniertes Machtgerangel voll von Verrat und Rache, psychischer und physischer Gewalt – bis hin zum hinterlistigen Mord. Doch schließlich findet Simba seinen ihm angedachten Platz im Tierreich – das Gute siegt, die Gerechtigkeit wird hergestellt.

König der Löwen © Disney

Alle vier Kinderfilm-Klassiker eint: Es gibt ein Happy End. Doch der Weg dorthin ist meist sehr steinig. Aber all die Morde und Intrigen erfüllen einen wichtigen Zweck: Sie dienen der Vermittlung von wichtigen Werten – Werte wie familiärer Zusammenhalt, Zwischenmenschlichkeit und Freundschaft sowie die unbändige Kraft der Liebe.

Doch nun zurück zur heilen Welt von Hanni & Nanni – Mehr als beste Freunde. Dieser vergleichsweise harmlose, aber sehr unterhaltsame Kinderfilm ist ab 25.5.2017 in deutschen Kinos zu sehen.

Wer stattdessen lieber Kinderfilme anschaut, die gleichzeitig auf ein älteres Publikum abzielen, findet hier die eine oder andere Inspiration: Kinderfilme für Erwachsene.

Diese Filme findet ihr als Video on Demand bei Videoload auf EntertainTV

Michel & Ida aus Lönneberga
Emil und die Detektive
Bambi
Charlie und die Schokoladenfabrik
König der Löwen

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