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Kinderfilme für Erwachsene

Kinderfilme sind für Erwachsene langweilig? Unsinn! Manche sind nicht bloß albern, sondern erfrischend vielschichtig: Filme mit tiefgründigen Botschaften, popkulturellen Anspielungen und cleveren Gags, die auch ältere Zielgruppen begeistern.  

Zoomania (2016)

2006 übernahm der ehemalige Pixar-Trickfilmregisseur und -produzent John Lasseter die künstlerische Leitung der Disney Animation Studios. Seine erste Amtshandlung war revolutionär: Er begann, die in ihrer Erzählweise abgenudelte Märchensparte von Grund auf umzukrempeln. Das Ergebnis waren zeitgemäße Animationsfilme wie Rapunzel – Neu verföhnt oder Die Eiskönigin – Völlig unverfroren. Als Nächstes überarbeitete er das traditionsreiche Genre der Kinderfilme mit sprechenden Tieren. Ein Genre, das mit Highlights wie BambiDumboDas Dschungelbuch oder 101 Dalmatiner entscheidend zum Erfolg von Disney beigetragen hat, dessen Ära aber endgültig vorbei zu sein schien. John Lasseter entschied sich für einen kreativeren und zeitgemäßeren Umgang mit dem großen Disney-Erbe. Wie er das gemacht hat, zeigt der Animationsfilm Zoomania.

Judy Hopps und Nick Wilde aus Zoomania
Alles andere als blitzschnell: Faultier Flash mit Polizistin Judy Hopps und Schlitzohr Nick Wilde in Zoomania (© Disney).

Die Geschichte unterscheidet sich zunächst nicht besonders von den anderen tierischen Abenteuern: Die junge Hasendame und Polizistin Judy Hopps heftet sich dem frechen Fuchs Nick Wilde an die Pfoten. Sie beschuldigt den Trickbetrüger eines Verbrechens, das dieser aber gar nicht begangen hat. Doch als die beiden gemeinsam in den Mittelpunkt einer Verschwörung rücken, schließen sie Freundschaft und überwinden ihre natürlichen Gegensätze.

Zugegeben: Nicht zum ersten Mal werden in einem Disney-Film aus erbitterten Feinden beste Freunde. Das Besondere am Kinderfilm Zoomania ist jedoch das Setting. Judy und Nick leben in Zootopia – einer Millionenmetropole, die ausschließlich von Tieren bewohnt ist. Menschen? Fehlanzeige! Doch die tierischen Bewohner verhalten sich nicht unbedingt, wie man es von vielen Zweibeinern gewohnt ist: Sie sind modebewusst, benutzen neueste Gadgets und sorgen sich um die Karriere. Moderne Großstädter eben. Raub- und Beutetiere leben in diesem Schmelztiegel friedlich zusammen, keiner will dem anderen mehr ans Fell. Zum perfekten Tier-Idyll reicht es aber leider doch nicht. Die seit jeher vererbten Machtverhältnisse der Nahrungskette lassen sich nicht so einfach abschütteln. Infolgedessen schwelen unter der dünnen Schicht der Zivilisation die alten Vorurteile. Ist dem Fuchs wirklich zu trauen? Kann man sich auf den Hasen verlassen, wenn Gefahr droht? Und ist das Schaf wirklich ein Unschuldslamm?

Vor diesem Hintergrund setzt sich der Kinderfilm mit Fragen auseinander, die heutzutage womöglich bedeutender sind denn je. Wie schaffen wir es trotz aller Unterschiede, friedlich miteinander auszukommen? Wie gehen wir mit einer multikulturellen Gesellschaft um, die ihren eigenen Integrationsansprüchen hinterherhinkt? Der Film ist eine Parabel darauf, wie diese Vorurteile überwunden werden können – und dass ein friedliches Zusammenleben verschiedener Ethnien möglich ist, wenn man es nur will.

Trotz des ernsten Subtexts bleibt der Animationsfilm Zoomania ein Riesenspaß für die Familie. Die quietschbunte Welt, die spannende Story und die kreativen Gags bieten Unterhaltung für Eltern und Kinder – ohne erhobenen Zeigefinger.   

Minions (2015)

Die besten Kinderfilme wie auch die besten Animationsfilme stammen eigentlich von DreamWorks Pictures oder Pixar. Die rühmliche Ausnahme ist Minions, produziert von Universal Studios  – im Übrigen der zweiterfolgreichste Animationsfilm aller Zeiten. Der Grund, weshalb der Animationsfilm so ein großes Publikum ins Kino lockte: Er begeisterte Eltern und Kinder gleichermaßen. Dabei war für die chaotischen Minions nur eine Sidekick-Rolle vorgesehen – nämlich in den Animationsfilmen Ich – Einfach unverbesserlich und Ich – Einfach unverbesserlich 2. Sie kamen beim Publikum aber so gut an, dass Hollywood den gelben Helfern ein Spin-off in Spielfilmlänge widmete.

 

Stuart, Kevin und Bob in Minions
Wollen hoch hinaus: Stuart, Kevin und Bob im Animationsfilm Minions (© Universal Pictures).
Stuart, Kevin und Bob in Minions
Gelbe Knuffkugeln, die es faustdick hinter den Ohren haben – wenn sie welche hätten: die Minions (© Universal Pictures).
Stuart, Kevin und Bob in Minions
Einfach nur zum Knuddeln: Stuart, Kevin und Bob (© Universal Pictures).

Minions sorgt für ein regelrechtes Gag-Feuerwerk, vom Intro bis zum Abspann. Allein die Protagonisten sind urkomisch: quietschgelbe, pillenförmige Mini-Wesen in blauen Latzhosen, die in einer Kunstsprache kommunizieren, die ulkig und faszinierend zugleich ist. Darüber hinaus verfügt der Film aber über subtilen Humor, der Kleine wie Große anspricht – wenn auch nicht immer zur gleichen Zeit. Szenen mit der englischen Queen, popkulturelle Referenzen an die 68er-Generation oder der Auftritt Napoleons setzen ein kulturelles Grundverständnis voraus, über das viele Jüngere noch nicht verfügen. Dass diese Gags dennoch nicht zu Rohrkrepierern mutieren, liegt am anarchischen Humor, der die Minions auszeichnet. Wenn die englische Königin im Minions-Kauderwelsch als „cucaracha“ bezeichnet wird, finden das die Kleinen auch witzig, ohne die eigentliche Bedeutung des Wortes zu kennen. Flirten die gelben Kügelchen mit einem Hydranten, ist das auch lustig, wenn man kein einziges Wort versteht.  

Die Geschichte funktioniert auf vielen Ebenen und ist ein Film für die ganze Familie – aber eben noch viel mehr. Er spricht nicht nur alle Altersklassen, sondern auch alle Gesellschaftsschichten und Geschlechter an. Die gelben Knuffkugeln verkörpern mit ihrem impulsiven Humor und ihrer Tollpatschigkeit die kindliche Unschuld, die jegliche Distanz des Zuschauers schmelzen lässt. Ganz egal, wie alt er ist.

Roboter Wall-E im Film Wall-E – Der Letzte räumt die Erde auf
Träumen Roboter eigentlich von elektrischen Schafen? (© Disney / Pixar)

Wall-E – Der Letzte räumt die Erde auf (2008)

Noch ein Beispiel für einen der besten Animationsfilme aller Zeiten ist Wall-E: Lange vor seinen Klassikern Toy StoryDie Monster AG oder Findet Nemo reifte in Regisseur Andrew Stanton die Idee zu Wall-E – Der Letzte räumt die Erde auf heran. Obwohl die Story von Pixar bereits 1995 fertig war, ließ Stanton das Drehbuch zunächst nicht produzieren – weil er unsicher war, ob das Publikum bereit sei für eine Liebesgeschichte zwischen Robotern. So kamen die Zuschauer erst 2008 in den Genuss des anrührenden Endzeitspektakels von Pixar, in dem sich der Müllroboter Wall-E in die süße Androidin Eve verliebt.

Mit dem Animationsfilm Wall-E – Der Letzte räumt die Erde auf findet die Klimakatastrophe ihren Weg in die Kinderzimmer: Wall-E ist der letzte verbliebene Müllroboter einer Einheit, die von den Menschen mit der traurigen Aufgabe betraut wurde, die heruntergekommene Erde wieder in Ordnung zu bringen. Selten war der blaue Planet im Film in einem so bedauernswerten Zustand: Türme aus Schrott säumen die Skyline, Abgase verschleiern den Himmel und der Boden ist gepflastert mit Müll. Die Welt erstickt an ihrem Wohlstand. Und mittendrin Wall-E, der in unendlichen Wiederholungen Schrott zusammenpresst – und das, während die Menschheit um ihn herum ihren Heimatplaneten längst aufgegeben hat. Erst in der zweiten Hälfte des Films erblüht die Hoffnung mit einer zarten Liebesgeschichte zwischen Wall-E und Eve. Die Androidin wurde von den Menschen auf die Erde geschickt, um sie auf ihre Bewohnbarkeit hin zu überprüfen. Dass sie sich verliebt, war zunächst nicht eingeplant.

Roboter Wall-E im Film Wall-E – Der Letzte räumt die Erde auf
Alles funkelt, alles blinkt: Aber irgendwie nicht die richtige Welt für den Müllroboter Wall-E (© Disney / Pixar).

Es ist vor allem diese herzergreifende Lovestory um zwei einsame Roboter, die den Film kindertauglich macht. Seine wirklichen Stärken entwickelt der Film jedoch auf einer Ebene, die den meisten Kindern verschlossen bleibt. Nicht nur, dass er mit zahllosen Referenzen auf Science-Fiction-Klassiker wie 2001: Odyssee im Weltraum, Lautlos im Weltraum oder Star Wars vollgepackt ist. Er weckt vor allem die Erinnerung an eine vordigitale Zeit, die den jüngeren Zuschauern fehlt. Erwachsene werden sich dieser Sehnsucht jedoch gern hingeben. Einer Sehnsucht nach der unbekümmerten Kindheit, nach alten Zeiten und einer analogen Welt, in der im nostalgisch-verklärten Rückblick vieles leichter schien.

Diese drei Kinderfilm-Beispiele liefern also den Beweis dafür, dass sehr wohl auch Erwachsene ihren Spaß an Kinderkram haben können. Und wenn euch der Sinn mehr nach klassischen Märchen steht: Hier könnt ihr euch von den besten fünf Disney-Realverfilmungen verzaubern lassen.

Diese Filme findet ihr als Video on Demand bei Videoload auf EntertainTV

Zoomania
Rapunzel – Neu verföhnt
Die Eiskönigin – Völlig unverfroren
Bambi
Dumbo
101 Dalmatiner
Minions
Ich – Einfach unverbesserlich
Ich – Einfach unverbesserlich 2
Wall-E – Der Letzte räumt die Erde auf
Toy Story
Die Monster AG
Findet Nemo
2001: Odyssee im Weltraum
Star Wars

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