Filme |

Vom Fußboden auf die Kinoleinwand

„Aus, aus, aus! Aus! Das Spiel ist aus! Deutschland ist Weltmeister.“ Dieser frenetisch ins Mikrofon gejohlte Satz von Radioreporter Herbert Zimmermann hat sich ins kollektive Gedächtnis eingebrannt. Er erfolgte nach dem Schlusspfiff des Fußball-WM-Finales 1954 und markierte Jahrzehnte später einen Höhepunkt in der Geschichte des Brickfilms. Das sind handgemachte Bewegtbildgeschichten mit Protagonisten und Kulissen, die aus bunten LEGO-Klötzchen gebaut wurden. Verantwortlich für den klötzernen Meilenstein aus dem Jahr 2002: drei fußball- wie lego-verrückte Studenten der FH Offenburg, die den Brickfilm Die Helden von Bern als Semesterarbeit produzierten.

Der elf Minuten lange Film ist mit dem legendären Kommentar von Zimmermann unterlegt und schaffte es sogar in viele Off-Kinos. Er ebnete den Weg für LEGO Ninjago, der am 21. September in die Kinos kommt. Dies ist bereits der dritte Blockbuster, in dem Plastikfiguren des schwedischen Spielzeugherstellers die Hauptrolle spielen.

Trailer zum neuen Film The LEGO Ninjago Movie (© Warner).

Vom Siegeszug des Brickfilms

Seinen Ursprung hat der Brickfilm in den 70er-Jahren. Charakteristisch für die Machart: Alle Szenen werden einzeln aus Legosteinen gebaut, im Stop-Motion-Verfahren Bild für Bild abfotografiert und später aneinandergereiht. Der Däne Lars C. Hassing produzierte 1973 mit Eine Reise zum Mond den ersten bekannten Brickfilm – seinerzeit mit einer Super-8-Kamera. Noch heute begeistert die Machart des Videos.

Auch interessant: Comic-Superheldinnen an die Macht

Die Brickfilme zeigen, dass die bunten LEGO-Steinchen viel mehr sind als ein die Fantasie und die Geschicklichkeit herausfordernder Kinderspaß. Sie haben die Welt der Vergnügungsparks und die Kunstszene erobert, die Popmusik ebenso wie die große Kinoleinwand. Denn was dänische Bastler und deutsche Studenten können, das können die großen US-amerikanischen Filmstudios eben auch.

Wenn LEGO-Figuren die Kreativität retten

Und so kam 2014 der erste abend- und kinofüllende LEGO-Film heraus, The LEGO Movie, eine US-amerikanisch-australische Koproduktion. In hundert Minuten erzählt das Werk der Regisseure Phil Lord und Chris Miller die Geschichte der Bauarbeiter-Minifigur Emmet. Er ist auserkoren, die Welt aus den Fängen des bösen Lord Business zu retten. Der Fiesling will nämlich alle Kreativität aus seinem Reich verbannen und dafür den sogenannten Meisterbauern an den Kragen. Doch Emmet bekommt tatkräftige Unterstützung.

LEGO-Figur Emmet mit seinen Freunden
Die Bauarbeiterfigur Emmet aus dem ersten LEGO-Kinofilm mit seinen Freunden (© action press).

Zur Seite steht ihm eine Riege altbekannter Superhelden und -heldinnen wie Superman, Batman, Green Lantern und Wonder Woman. Aus Der Herr der Ringe und Harry Potter kommen die Zauberer Gandalf und Dumbledore zum Einsatz. So versteht es sich fast von selbst, dass der Film reich an raffiniert-witzigen Anspielungen auf den einen oder anderen Hollywood-Blockbuster ist – und angesichts der versammelten Superkräfte versöhnlich endet. Selbst der böse Lord Business ist am Ende bekehrt. Ein Happy End auf ganzer Linie.

Lord Business aus dem ersten LEGO-Film.
Der fiese Lord Business aus The LEGO Movie bekämpft mit aller Macht die kreativen Meisterbauer (© ddp images).

Der Charme des Unperfekten

The LEGO Movie überzeugte damals Publikum und Kritiker gleichermaßen. In den USA spielte er allein in den ersten drei Monaten mehr als 400 Millionen Dollar ein, das Siebenfache der Produktionskosten. In Deutschland pilgerten 2014 rund 1,3 Millionen Menschen für The LEGO Movie in die Kinos, obwohl hier, anders als in den USA, keine bekannten Schauspieler in die Sprecherrollen schlüpften. In der Originalversion liehen unter anderem Chris Pratt, Jonah Hill, Channing Tatum, Morgan Freeman und Liam Neeson den Figuren ihre Stimme.

Auch interessant: Zum Brüllen: Lustige Animationsfilme mit Tieren

Kritiker wiederum lobten, dass es dem Film bei aller technischen Finesse gelinge, den Geist des traditionellen Brickfilms zu transportieren. Denn die Figuren bewegen sich eben nicht geschmeidig. Auf manchen sind gar Fingerabdrücke zu sehen, als hätte sie jemand per Hand bewegt. Die Mimik wirkt fast wie gemalt. Das gelang den Regisseuren, indem sie die bewährte Stop-Motion-Technik der Brickfilme mit moderner Computeranimation kombinierten.

Blockbuster mit philosophischem Anstrich

Auf Zuspruch stieß auch die Story, die gewitzt mit Hollywood-Stereotypen spielt – und zudem einen intelligenten Dreh findet, die LEGO-Welt mit der realen zu verknüpfen. Die wirkliche Welt der Menschen ist für die Spielfiguren so etwas wie das Nichts. Wer dort hineinstürzt, ist verloren – ein fast philosophischer Gedanke. Eine Oscar-Nominierung als bester Animationsfilm ließ trotzdem auf sich warten. Immerhin schaffte es das Lied „Everything Is Awesome“ von Shawn Patterson bei der Verleihung 2015 auf die Liste in der Kategorie Bester Filmsong.

Die Figuren Scooby Doo und Shaggy
Die Hundefigur Scooby Doo und sein Mitstreiter Shaggy (© Alamy).

Für das Studio Warner Animation, das unter anderem für Space Jam verantwortlich zeichnet, war der Film ein erster Erfolg in diesem Genre nach langer Durststrecke. Und so ließ Warner Home dem ersten LEGO-Movie zunächst mehrere Produktionen für DVD und Blu-Ray folgen: LEGO Scooby-Doo! Spuk in Hollywood und die Reihe LEGO DC Super Heroes Justice League mit dem altbekannten Heldenpersonal. In Szene gesetzt hat diese Videofilme Rick Morales, der sich in den USA schon länger einen Namen als versierter Animationsregisseur gemacht hat.

LEGO-Figur Batman als Kinoheld
Anfang 2017 kam The LEGO Batman Movie in die Kinos (© action press).

Kassenschlager in Serie

Im Februar dieses Jahres kam schließlich The LEGO Batman Movie heraus – und damit endlich wieder ein LEGO-Film, der für die große Kinoleinwand produziert war. Der heimliche Held aus dem ersten Streifen bekommt hier einen actiongeladenen und gagreichen Solo-Auftritt. Das Spin-off ist an den Kinokassen fast so erfolgreich wie das Original. Bis Juni hat der Film weltweit rund 310 Millionen Dollar eingespielt, bei Produktionskosten von etwa 80 Millionen.

Die Figur Meister Wu aus LEGO NInjago
Meister Wu erteilt in LEGO Ninjago Lektionen in Kung Fu (© WarnerHomeVideo).

Und Warner Bros. legt gleich noch einmal nach: Am 21. September startet LEGO Ninjago – Tag der Erinnerungen in den Kinos. Sein Inhalt: Sechs unscheinbare Teenager, die tagsüber von ihren Mitschülern verspottet, aber nachts von Meister Wu zu Ninja-Kämpfern ausgebildet werden. Irgendjemand muss ja schließlich ihre Heimat, die Insel Ninjago, vor Monstern und anderem Übel bewahren. Vor allem aber vor dem Bösewicht Garmadon, dem Vater eines der Teenie-Ninjas.

Witzig, aber konventionell

Thematisch knüpft die Story an den ersten LEGO-Film an: Tapfere Mini-Figuren kämpfen gegen übermächtigen Fiesling. Thematisch basiert LEGO Ninjago auf der Actionserie Ninjago – Meister des Spinjitzu, die in Deutschland auf Super RTL zu sehen ist. Der Trailer, der online schon seit einiger Zeit für den Film wirbt, lässt eine hohe Gag-Dichte erwarten, die Inszenierung wirkt ausgereift, aber auch ein wenig konventionell. Vom Charme des Unperfekten, der die frühen Brickfilme umgab, hat sich dieser Hollywood-Blockbuster allerdings weit entfernt.

Diese Filme findet ihr als Video on Demand bei Videoload auf EntertainTV

The Lego Movie
The LEGO Batman Movie
LEGO Scooby-Doo! Spuk in Hollywood
LEGO DC Super Heroes Justice League

Sie sind leider nicht auf dem aktuellsten Stand

Damit Sie die Vorzüge des neuen EntertainTV erleben können, brauchen Sie einen aktuellen Browser! Wir empfehlen, den Browser zu aktualisieren und die neuste Version herunterzuladen.

Sehr geehrter Websitebesucher,

die Sicherheitseinstellungen Ihres Browsers verhindern aktuell, dass alle Inhalte dieser Website im Internet Explorer korrekt dargestellt werden. Das Problem wird im Laufe des Tages behoben. Wir empfehlen Ihnen bis dahin, die Website in einem der folgenden Browser zu öffnen: