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Stephen King, König des Horrors

Stephen King ist der König des Horrors. 400 Millionen verkaufte Bücher sprechen eine deutliche Sprache. Auch auf der Leinwand läuft es rund für den Schriftsteller: Mit Der Dunkle Turm (10.08.) und Es (21.09.) starten dieses Jahr gleich zwei Verfilmungen von Kings Romanen im Kino. Wie hat es der aus ärmlichen Verhältnissen stammende Junge bis zum Gruselgott geschafft? Ein Erklärungsversuch.

Trailer zum neuen Film Der Dunkle Turm (© Sony Pictures).

Vom Wohnwagen in die Welt

Portland, Maine, Herbst 1973. Wie an jedem Abend feilt der unbekannte Schriftsteller Stephen King im Wohnwagen an seinen Romanprojekten. Hin und wieder kann der manische Schreiber die Familienkasse mit dem Verkauf von Kurzgeschichten aufbessern, doch der große Wurf gelingt ihm nicht. Das Geld wird knapp und zu allem Übel gerät auch sein neuer Roman Carrie ins Stocken. Frustriert wirft King das Manuskript in den Papierkorb. Seine Frau fischt den Text wieder heraus – und überredet ihren Gatten, den Roman fertigzustellen.

Der Gruselgott höchstpersönlich: Stephen King (© Getty Images).

Das war wohl der größte Glücksfall seines Lebens: 1974 veröffentlicht der Doubleday-Verlag Carrie und die New American Library kauft die Rechte an dem Taschenbuch für eine Rekordsumme von 400.000 Dollar. Die Geschichte der telekinetisch begabten Rächerin kommt unter der Regie von Brian De Palma (Scarface, Mission: Impossible) sogar als Kinofilm auf die Leinwand. Nach dem Sensationserfolg beginnt für King ein neues Leben: Er arbeitet fortan nicht mehr als Lehrer und widmet sich ausschließlich seiner Leidenschaft – dem Schreiben.

Von allen guten Geistern verlassen

Seinen Ruf als Erfolgsautor bestätigt der Schriftsteller 1977 mit Shining. Die Idee zu diesem Klassiker kommt ihm im Schlaf. King träumt von seinem Sohn, der schreiend durch die verlassenen Korridore eines Hotels läuft. Das inspiriert ihn zur Geschichte über den gescheiterten Autor Jack Torrance. Um einen Aushilfsjob als Hausmeister anzunehmen, zieht Jack mit Frau und Kind in ein abgelegenes Hotel. Die Bleibe stellt sich als Ort des Bösen heraus: In der Abgeschiedenheit verliert der Familienvater seinen Verstand und versucht, seine Familie umzubringen.

Zum Schreien: Jack Nicholson macht als Axtmörder in Shining nicht einmal vor seiner Frau Halt (© Action Press).

Das Buch erklimmt die Bestsellerlisten. Doch erst Stanley Kubricks Kinoadaption macht Shining zum Kult. Der Star-Regisseur hatte mit seinen Filmen Uhrwerk Orange und 2001: Odyssee im Weltraum bereits für Furore gesorgt, jetzt wollte er ein Meisterwerk des Horrorgenres schaffen. Nach 14 Monaten Drehzeit und dem Einsatz neuester Technik, wie zum Beispiel der Steadycam, kommt Kubricks Film 1980 ins Kino. Das Ergebnis verstört und begeistert zugleich: Kubrick macht aus dem Roman den perfekten Horrortrip, in dem Jack Nicholson als wahnsinniger Axtmörder brilliert.

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Verursacher unzähliger Alpträume: Clown Pennywise aus Es (© Action Press).

Das Böse mit menschlichem Antlitz

King bleibt fortan auf Bestsellerkurs. Der Schriftsteller schreibt rund um die Uhr und verfasst dutzende Romane. Ob The Stand – Das letzte Gefecht (1978), Friedhof der Kuscheltiere (1983) oder Es (1986): Der Gruselliterat erschafft Angstmacher für jedermann. Wie er das macht? King gibt dem Bösen ein menschliches Antlitz, von dem die Protagonisten plötzlich und unvermittelt heimgesucht werden. In seinen Geschichten trifft es meist stinknormale Durchschnittsamerikaner, denen das Grauen in der heilen Vorstadtidylle auflauert. Die Ängste, die Stephen King in seinen Büchern so präzise beschreibt, sind die Ängste aller Menschen. Das macht den Horrorkönig so erfolgreich.

Doch woher rührt dieses Faible, den Schrecken hinter der Fassade der Normalität aufzuspüren? Ein Blick in seine Biografie zeigt, dass der Autor selbst oft am Abgrund stand.        

Der Monstermacher privat

Stephen King wurde 1947 geboren. Als er zwei Jahre alt ist, verlässt sein Vater die Familie. Mühevoll bringt seine Mutter die beiden Söhne über die Runden. Um auszuhelfen, schuftet King als Schüler nachts in einer Weberei. Eines Tages findet King auf dem Dachboden einen Karton seines Vaters, vollgepackt mit Horror- und Science-Fiction-Literatur. Das öffnet ihm eine völlig neue Welt. Im Alter von sieben Jahren schreibt King seine ersten Geschichten.

Danach kommt es zu einem einschneidenden Erlebnis. King ist hautnah dabei, als ein Freund von einem Zug überfahren wird und letztlich stirbt. Schockiert taumelt der Junge nach Hause. Erst sehr viel später ist Stephen King in der Lage, über den tragischen Vorfall zu sprechen. Kritiker interpretieren das Ereignis als Initialzündung, dieses Trauma fortan in düsteren Werken zu verarbeiten.

Auch später läuft nicht alles glatt für den jungen Autor. Bis zu seinem Durchbruch mit Carrie steckt Stephen King in ärmlichen Verhältnissen fest. Trotz des Englischstudiums bekommt er zunächst nicht den erhofften Job als Lehrer. Stattdessen muss sich der erfolglose Schriftsteller in einer Wäscherei und an einer Tankstelle verdingen. Gleichzeitig schreibt er nahezu obsessiv. Doch das Schreiben bleibt nicht seine einzige Sucht: Er beginnt früh zu trinken, Mitte der 80er-Jahre findet er Gefallen am Koksen. Den Absprung findet er erst 1988.

Wäre Stephen King mit einer unbeschwerteren Biografie ebenfalls zum Großmeister der Horrorliteratur geworden? Müßig, darüber zu spekulieren.

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Die sanfte Seite des Genies

Dass King auch feinsinnigere Dramen spinnen kann, deutete der Autor bereits mit seinem Coming-of-Age-Abenteuer Die Leiche an. Die Verfilmung mit dem Namen Stand by Me – Das Geheimnis eines Sommers (1986), mit River Phoenix und Corey Feldman in den Hauptrollen, gilt als Genreklassiker. Der Film Stand by Me war die erste Adaption einer Stephen-King-Geschichte, die auf Horrorelemente verzichtete.

Eine andere gelungene Adaption, die sich vom restlichen Werk des Gruselkönigs abhebt, ist der Film Die Verurteilten (1994). Das Knastdrama des Regisseurs Frank Darabont ist gefühlvolles Unterhaltungskino mit humanistischem Anspruch. Tim Robbins und Morgan Freeman spielen darin Gefängnisinsassen, die sich anfreunden und gemeinsam den schwierigen Alltag hinter Gittern meistern.

Der sanftmütige John Coffey (Michael Clarke Duncan) sitzt in The Green Mile unschuldig im Todestrakt (© Universal).

Darabont verfilmt 1999 einen weiteren Gefängnisroman von King: The Green Mile. Wer aufgrund des Filmtitels einen Schocker erwartet, liegt falsch – der Name bezieht sich auf den grünen Boden des Todestrakts. Der Film The Green Mile ist eine Studie über menschliche Würde und moralische Werte, in der sich Tom Hanks als Gefängniswärter eingestehen muss, dass ein zum Tode verurteilter Häftling (Michael Clarke Duncan) unschuldig hinter Gittern setzt.

Geschäftiger Gruselgott

Trotz eines geschätzten Jahreseinkommens von 40 bis 50 Millionen Dollar möchte sich der 69-Jährige nicht zur Ruhe setzen. Stephen King bleibt mit durchschnittlich zwei Romanen pro Jahr ein fleißiger Autor. Für sein literarisches Erbe hat King selbst gesorgt: Seine Söhne Joe und Owen sind ebenfalls Schriftsteller. 2012 veröffentlichte Joe gemeinsam mit seinem Vater die Erzählung Im hohen Gras. Sie ist, wie könnte es anders sein, ein Gruselschocker.  

Diese Filme findet ihr als Video on Demand bei Videoload auf EntertainTV

Shining
Stephen King's ES
Stand by Me – Das Geheimnis eines Sommers
Die Verurteilten
The Green Mile


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