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The Handmaid’s Tale – Der Report der Magd: Verblüffend echt

The Handmaid´s Tale – der Report der Magd ist eine ausgezeichnete Serie – und zwar so ausgezeichnet, dass sie gleich acht Emmys® gewann. Wie viel Wirklichkeit steckt in The Handmaid’s Tale – Der Report der Magd? Auf den ersten Blick scheint die Frage leicht zu beantworten: nicht allzu viel.

Denn der totalitäre Staat Gilead, in dem religiöse Fundamentalisten ein auf Befehl und Gehorsam basierendes Regime installieren, Menschen in ein modernes Kastensystem pressen und Frauen entweder zu Menschen zweiter Klasse degradieren oder zum Kinderkriegen zwingen, ist eine Erfindung der Schriftstellerin Margaret Atwood. Ihr Roman aus dem Jahr 1985 spielt – ebenso wie die gleichnamige, aktuell hoch gelobte Fernsehserie – in einer unheilvollen Zukunft. Zu sehen ist die Serie exklusiv und ohne Aufpreis* bei EntertainTV – jede Woche Donnerstag eine neue Folge.

Szene aus The Handmaid´s Tale – Der Report der Magd.
Einkaserniert und schwer bewacht: Die geraubten Frauen werden für ihr neues Leben gedrillt (© MGM).

In dieser Zukunft liegen die USA nach einem blutigen Bürgerkrieg am Boden, die Umwelt ist verseucht, nicht entsorgter Atommüll ein Riesenproblem. Die Herrscher von Gilead verbieten Bücher und schließen Universitäten. Nur ihr Wort, beziehungsweise das ihres Gottes, soll gelten. Die Bewohner werden mittels Gewalt und Gehirnwäsche gefügig gemacht. In diesem Szenario erzählt The Handmaid’s Tale – Der Report der Magd die Geschichte der Leibeigenen Desfred (im englischen Original: Offred). Sie gehört einem privilegierten Mann aus der Oberschicht, dem Commander Fred, dessen Frau unfruchtbar ist. Desfreds einziger Daseinszweck besteht darin, ihrem Besitzer ein Kind zur Welt zu bringen.

Plausibel erzähltes Szenario

Die Fernsehserie setzt diese Welt in äußerst stimmigen Motiven um. Die Geschichte folgt einer inneren Logik, die alle Handlungen plausibel erscheinen lässt. Wie etwa die gebärfähigen Frauen in Umerziehungszentren gefügig gemacht werden, sogenannte Tanten ihre Persönlichkeit brechen und aus ihnen erinnerungslose Dienerinnen machen. All das wird beklemmend authentisch und überzeugend erzählt. Der Zuschauer kann nachvollziehen, warum diese Gehirnwäsche so furchtbar gut funktioniert, warum den Frauen anschließend Kraft und Willen fehlen, gegen die ihnen zugedachte Rolle zu widersetzen.

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Szene aus The Handmaid´s Tale – Der Report der Magd.
Aunt Lydia (Ann Dowd, gewann den Emmy als beste Nebendarstellerin) schüchtert die Neuankömmlinge brutal ein (© MGM).

Die Figuren selbst folgen keinem einfachen Schwarz-Weiß-Schema. Commander Fred, Eigentümer von und Herr über Desfred, ist kein schäumender Fanatiker. Er ist ein gläubiger Mensch, der davon überzeugt ist, dass sein Handeln einem höheren und größerem Ganzen dient. Deshalb ist er auch gegenüber Desfred zu Emotionen fähig.

Böses Märchen oder negative Utopie?

Ist das alles nur ein böses Märchen oder eine negative Utopie? Nichts von beidem. Denn bei genauerer Betrachtung gestaltet sich die Sache komplizierter. Die Welt, die der Roman und die Serie entwerfen, sie existiert. Nicht genau so, nicht in jedem Detail, nicht in dem Ausmaß und nicht so umfassend. Aber sowohl Leser als auch Zuschauer erkennen manche Phänomene aus dem Hier und Jetzt wieder.

In manchen Teilen der Welt erleben religiöse Fundamentalisten seit Jahren Zuspruch. Und das, obwohl sie gesellschaftlichen Fortschritt und wissenschaftliche Erkenntnis konsequent verteufeln.

  • In Aufmärschen verherrlichen rechte Reaktionäre das Zeitalter der Sklaverei.
  • Konservative in den USA und in anderen westlichen Gesellschaften versuchen derzeit, die hart erkämpfte Frauenemanzipation zu schwächen. Sie propagieren stattdessen ein antiquiertes Frauenbild. Ganz zu schweigen von manchen islamistisch geprägten Ländern, in denen die Diskriminierung von Frauen bisweilen zur Staatsräson gehört.
  • Atomare Bedrohung und Umweltzerstörung sind nicht gebannt.
  • Nationale Abschottung bis hin zum Rassismus sind global zu beobachtende Tendenzen.
  • Die Sehnsucht nach einem starken Staat ist selbst in demokratischen Nationen wieder stärker ausgeprägt.

Atwoods visionäre Buchvorlage

Als The Handmaid's Tale vor dreißig Jahren als Buch erschien, waren nicht alle diese Entwicklungen absehbar. Margaret Atwoods Roman ist als Kommentar auf damalige Tendenzen und Ereignisse zu verstehen. Es spricht für die Qualität des Werks, dass es bis heute so aktuell geblieben ist. Es muss in einem Atemzug genannt werden mit Klassikern wie 1984 von George Orwell und Brave New World von Aldous Huxley, die beide ebenfalls eine negative Utopie beschreiben.

In 1984 herrscht ein totalitärer – in diesem Fall sozialistischer – Überwachungsstaat über die Menschen, in der Schönen neuen Welt hingegen werden sie in ein Kastensystem hineingeboren und durch Drogen, Konsumterror und Sex bei Laune gehalten. Die Anknüpfungspunkte an jeweils real existierende Wirklichkeiten sind in beiden Werken offensichtlich. In Atwoods Buch sind es nun rechte Ideologen, die die Herrschaft ergreifen und die Welt nach ihrer Vorstellung gestalten.

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Szene aus The Handmaid´s Tale – Der Report der Magd.
Schriftstellerin, Aktivistin, Feministin: Margaret Atwood schrieb die Romanvorlage zur Serie (© Getty Images).

Brisanter Stoff in der Schublade

Margaret Atwood hat sich damals viel Zeit für die Recherchen zu ihrem Roman genommen. Drei Jahre lag der Stoff in ihrer Schreibtischschublade, bevor sie ihn schließlich zu einer legendären Geschichte zusammenfügte. In der Zeit sammelte sie akribisch Beiträge aus Zeitungen und Zeitschriften, etwa über fundamentalistische Bewegungen und die religiöse Rechte. Aus eigener Anschauung kannte sie die Situation von Frauen im Iran nach der Islamischen Revolution von Ayatollah Khomeini.

Sie habe sichergehen wollen, nicht als paranoid zu gelten, wenn sie die Geschichte in dieser Weise aufschreiben würde, sagte Atwood nach der Veröffentlichung des Romans. Alles in dem Buch basiere aber auf Geschehnissen, die entweder historisch belegt seien oder in einem anderen Land als den USA stattgefunden hätten oder für die es aktuelle Belege gebe. Jenseits der dramatischen Geschichte von Desfred und ihrem Commander handele The Handmaid’s Tale – Der Report der Magd von Macht und davon, wie sie funktioniere. Ihren Ansatz bezeichnete sie selbst einmal als spekulative Fiktion.

Die Leidensgeschichte der Frau

Was das bedeutet, hat der österreichische Schriftsteller Wolfgang Pollanz in einer Analyse von Atwoods Roman sehr eindringlich beschrieben.

Das wahrlich Erschreckende an dem Roman ist, daß alles, was in der zukünftigen Gesellschaft, die dort beschrieben wird, geschieht, nichts Neues ist – alle Taten sind irgendwann schon einmal begangen worden, die Autorin hat nur die Zeit, den Schauplatz und einige Details geändert, und alles in einen neuen Kontext gestellt. […] Margaret Atwoods großartiger und spannender Roman muss als Prophezeiung und als Warnung verstanden werden. Sein Thema ist nicht nur eine negative Utopie der amerikanischen Gesellschaft, sondern vor allem auch die Leidensgeschichte der Frau: Sie zieht sich von der Vergangenheit über die Gegenwart bis in die Zukunft.


Von Margaret Atwoods Sorgfalt und den Recherchen profitiert auch die Serie The Handmaid´s Tale – Der Report der Magd. Die Schriftstellerin hat an der filmischen Umsetzung mitgewirkt. Daher bewegen sich die zehn Folgen der ersten Staffel eng an der Vorlage. Anders als im Roman gibt es in Gilead allerdings keine Rassendiskriminierung – angesichts aktueller Ereignisse nicht nur in den USA kein völlig realistisches Szenario.

Szene aus The Handmaid´s Tale – Der Report der Magd.
Bei den Dreharbeiten zur Serie legte die Autorin selbst Hand an (© MGM).

Die zweite Staffel wird derzeit geplant. Wie die Geschichte von Desfred weitergeht, liegt in den Händen der Hulu-Produzenten. Man darf gespannt sein, ob sie in den neuen Folgen dem kritischen Realitätssinn von Margaret Atwood treu bleiben. Es wäre jedenfalls wünschenswert.

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