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Brutal und erbarmungslos: Die Wurzeln der Disney-Filme

Abgeschnittene Zungen und ausgepickte Augen, Massenmörder und tödliche Intrigen. Ginge es nach den Originalstoffen, wären viele Disney-Filme äußerst gewalttätig. Also mussten die Disney-Macher die Märchen, Mythen und Balladen, die sie zu ihren Blockbustern inspirierten, an einigen Stellen umschreiben. So wurden den Zuschauern grausame Details erspart.

Eingesperrt und abgestumpft: Quasimodo leidet auch im Zeichentrickfilm (© Disney / DDP Images).

Der Glöckner von Notre Dame zählt zweifelsohne zu den düstersten Disney-Filmen. Gleich zu Beginn stirbt Quasimodos Mutter, dann wird das buckelige und mit einer Warze entstellte Kind in den Kirchenturm gesperrt, wo es viele Jahre verbringen muss. Später wird Quasimodo vom Pöbel erniedrigt und von Richter Claude Frollo verfolgt. Kein Stoff für zarte Kinder-Seelen. Doch ein Klacks gegen die Romanvorlage des französischen Schriftstellers Victor Hugo.

In dem Buch von 1831 ist Quasimodo bedeutend bösartiger als im Zeichentrickfilm. Beim Versuch, Esmeralda zu beschützen, tötet Quasimodo etliche Unschuldige. Und während Quasimodo bei Walt Disney als Held gefeiert wird, stirbt er im Buch – so wie fast alle anderen Protagonisten.

Meerjungfrau Arielle mit ihrem besten Freund Fabius (© Disney / Action Press).

Geschundene Meerjungfrau

Als der Zeichentrickfilm Arielle, die Meerjungfrau 1989 in die Kinos kam, kannten viele Kinder den Plot bereits. Und zwar aus „Die kleine Meerjungfrau“, einem Märchen von Hans-Christian Andersen. Doch was viele nicht wissen: Der dänische Schriftsteller ist ebenfalls nicht der Urheber der Geschichte dieses Fabelwesens. Sie basiert auf der mythologischen Figur der Undine, einem weiblichen Wassergeist.

In den griechischen Sagen wird Undine – wie auch im Disney-Film – zunächst ihre wunderschöne Stimme genommen und dann auch noch die Zunge qualvoll herausgeschnitten. In einer anderen, uralten Erzählung stürzt sich das schöne Zauberwesen am Ende in die Fluten und verwandelt sich in Schaum. Ein Happy End gibt es dagegen bei Walt Disney: Dort lässt König Triton die kleine Meerjungfrau zu ihrer großen Liebe, Prinz Eric, an Land.

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Mörderische Pläne

Aus dem berühmten Gebrüder-Grimm-Märchen Aschenputtel wurde der Disney-Hit Cinderella – und erneut blieben einige brutale Details auf der Strecke. Als der Prinz bekannt gibt, dass er diejenige Frau heiratet, deren Fuß in den goldenen Pantoffel passt, ergreifen die zwei bösen Stiefschwestern drastische Maßnahmen: Die eine trennt sich von ihrem großen Zeh, die andere hackt sich die Ferse ab. Ohne Erfolg – als einzig wahre Braut wird schließlich Aschenputtel mit ihren zierlichen Füßen auserkoren. Für ihren Betrug erhalten die zwei Schwestern eine bestialische Strafe: Tauben picken ihre Augen aus. Soweit erzählt es das Märchen. Der Disney-Zeichentrickfilm von 1950 ist bedeutend harmloser. Dort scheitern die Stiefschwestern lediglich daran, sich in den Schuh zu quetschen. Eine Strafe wird auch nicht verhängt – Cinderella verzeiht ihren Stiefschwestern.

Aus der Märchenfigur Aschenputtel wurde bei Disney Cinderella (© Disney / Action Press).

Ohne Zweifel: Der Originalstoff von Die Schöne und das Biest ist finsterer als die Disney-Adaption. In dem französischen Volks-Märchen von Gabrielle-Suzanne de Villeneuve aus dem 18. Jahrhundert – damals hieß es noch „Die Schöne und das Tier“ – schmieden die zwei selbstsüchtigen Schwestern einen bösen Plan. Weil sie neidisch auf den Reichtum der schönen Schlossherrin Belle sind, wollen sie das furchterregende Tier dazu bringen, ihre Schwester lebendig zu verspeisen. Immerhin: Wie im 1991 veröffentlichten Disney-Streifen, gibt es auch im Märchen ein Happy End.

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Kaltblütiger Aladdin

Das sind längst nicht die einzigen Uralt-Geschichten, die für die Walt-Disney-Versionen entschärft werden mussten. In den Märchen aus Tausendundeine Nacht, die den Film Aladdin inspirierten, ersticht die Hauptfigur kaltblütig einen Zauberer. Im Andersen-Märchen Die Schneekönigin treffen Glassplitter den Waisenjungen Kay mitten ins Auge und ins Herz – deutlich grausamer als die moderne Version Die Eiskönigin aus dem Jahr 2013.

Inspiriert von wahren Ereignissen: Disney-Heldin Pocahontas (© Disney / Action Press).

Pocahontas wiederum war 1995 der erste Disney-Film, der sich auf eine reale Person bezieht – auf das gleichnamige Indianer-Mädchen, das um 1600 in Virginia lebte. Die historischen Ereignisse um Pocahontas waren dramatisch: Die Häuptlingstochter wurde verschleppt, vermutlich sogar vergewaltigt und starb mit nur 22 Jahren. Historiker sind sich uneins, was genau zwischen dem Mädchen und dem Abenteurer John Smith geschah. Fest steht aber, dass Walt Disneys Pocahontas romantischer und friedlicher ist als die Original-Geschichte.


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