Vom Kino ins Wohnzimmer: Ein Hoch auf den Spannungsbogen

Filme, die zu Serien ausgedehnt werden, sind ein heikles Thema. Manche schmecken wie zum zweiten Mal aufgekochter Kaffee, weil sie der Story keinen neuen Dreh geben. Gefloppt sind zum Beispiel die Adaptionen von My Big Fat Greek Life (basiert auf dem Film My Big Fat Greek Wedding), Clueless und Dirty Dancing. Erfolgreich sind Ableger fürs Fernsehen immer nur dann, wenn die Geschichte einen anderen Drive und die Protagonisten weitere Facetten bekommen.

Wie diese hier: Jede der folgenden Serien spielt trickreich mit der Vor- oder Nachgeschichte des Films, der als Vorlage diente. Einige haben sogar eine ganz neue Erzählweise gefunden.

Szene aus "Psycho".
Die Serie "Psycho" wird aus der Perspektive des jungen Norman Bates geschildert (© Universal Pictures).

Bates Motel: Zeigt, was zuvor geschah

Alfred Hitchcocks Psycho von 1960 gehört zu den großen Werken der Filmgeschichte – nicht zuletzt wegen der schauspielerischen Leistung von Anthony Perkins. Er verkörperte Norman Bates, Motel-Eigentümer und psychopathischer Serienmörder mit Mutter-Komplex. Die Serie Bates Motel ist ein Spin-off und liefert Fans die Vorgeschichte zum Film: Die Zuschauer erfahren, wie es zur Psychose kommen konnte – und wie Norman zum Serienkiller wurde. 

Die erste Staffel von Bates Motel beginnt mit einem Paukenschlag: Der 17-jährige Norman Bates (Freddie Highmore) findet die Leiche seines Vaters in der Garage. Während er tief schockiert ist, scheint seine Mutter Norma (Vera Farmiga) der Verlust nicht so hart zu treffen. Stattdessen plant sie stehenden Fußes einen Neuanfang für sich und ihren Sohn: Norma kauft ein Motel, die beiden verstauen ihr Hab und Gut und ziehen nach White Pine Bay. Wer den Hitchcock-Thriller gesehen hat, wird in der Serie Bates Motel Schauplätze und Filmkulissen wiedererkennen. Da der Ableger aus der Perspektive des jungen Norman geschildert wird, erhält die klassische Geschichte einen ganz anderen, neuen Aspekt. 

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Westworld: Geht in die Tiefe  

Die HBO-Serie Westworld zeigt den Freizeit-Westernpark der Zukunft. Dort leben Roboter in Menschengestalt, sogenannte Androiden. Sie müssen sich den Wünschen und Fantasien von Menschen hingeben und werden gerne auch mal erschossen. Anschließend werden sie in Hightech-Laboren repariert, ihre traumatischen Erinnerungen von der Festplatte gelöscht. Dieses Spiel durchschauen die beiden Androiden Dolores (Evan Rachel Wood) und Maeve (Thandie Newton). Schauspieler Anthony Hopkins (bekannt aus Hannibal von 2001), spielt in Westworld die Hauptrolle des Dr. Robert Ford

Szene aus "Westworld".
Maeve (Thandie Newton) ist ein Roboter in Menschengestalt, dazu erschaffen, die Besucher von Westworld zu unterhalten (© 2016 Home Vox Office, Inc. All rights reserved).
Szene aus "Westworld".
Die Androidin Dolores (Evan Rachel Wood) tritt den Gästen als freundliche Farmerstochter entgegen (© 2016 Home Vox Office, Inc. All rights reserved).
Szene aus "Westworld".
Anthony Hopkins verkörpert in "Westworld" den Gründer des futuristischen Vergnügungsparks (© 2016 Home Vox Office, Inc. All rights reserved).
Szene aus "Westworld".
Inkarnation des Bösen: Der "Man in Black" (Ed Harris) gibt im Park den Oberschurken (© 2016 Home Vox Office, Inc. All rights reserved).
Szene aus "Westworld".
Die sogenannten Hosts werden im Labor zu künstlichem Leben erweckt (© 2016 Home Vox Office, Inc. All rights reserved).

Die meisten Bücher und Filme über künstliche Intelligenz beruhen auf dem gleichen Prinzip: Menschen kreieren Maschinen, die einen eigenen Willen entwickeln und sich gegen ihre Erschaffer wenden. So auch der Science-Fiction-Film Westworld aus dem Jahr 1973, der als Vorlage der Serie diente. Regisseur Michael Crichton ließ den Revolverhelden The Gunslinger (Yul Brunner) die Hauptrolle spielen: Er ist es satt, von Touristen erschossen zu werden, und beginnt zu rebellieren. 

Die Serie Westworld dreht den Erzähl-Spieß um: Sie thematisiert nicht die von künstlicher Intelligenz ausgehende Gefahr – sondern konzentriert sich auf die Möglichkeiten des Zusammenlebens von Mensch und Maschine. Ein effektvoller Bruch mit dem Klischee.

Szene aus "Fargo".
Die Serie "Fargo" überrascht jedes Mal aufs Neue (© MGM).

Fargo: Erfindet sich immer wieder neu

In jeder Staffel von Fargo geht es um Kriminalfälle. Zunächst wenig überraschend – doch Fargo ist eine „Anthologie-Serie“. Das bedeutet: Jede Staffel spielt in einer anderen Zeit und erzählt einen anderen Fall mit anderen Charakteren. Bekannte Schauspieler wie Kirsten Dunst, Martin Freeman und Billy Bob Thornton sind Teil der Serien-Adaption. Die Kunst: Die Spannung wird über mehrere Staffeln aufrechterhalten. Mit ihrem Vorläufer, dem Film Fargo aus dem Jahr 1996 von den Regisseuren Joel und Ethan Coen, hat die Serie vor allem eines gemeinsam: Alle Mordfälle haben eine Verbindung zur Provinzstadt Fargo.

Im Film lässt Autohändler Jerry Lundegaard (William H. Macy) seine Ehefrau von zwei Kriminellen entführen und erpresst damit seinen Schwiegervater. Diese Pläne durchkreuzt die schwangere Polizeichefin Marge Gunderson (Frances McDormand). Die Serie greift Ästhetik und Atmosphäre des 90er-Jahre-Kinohits auf – mit neuen Charakteren und neuen Geschichten. Ein mutiges Vorhaben, bei dem die Coen-Brüder als Macher mitwirkten. 

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Sleepy Hollow: Punktet mit viel Komik

Mit vielen schaurigen Szenen unterhält der Fantasyfilm Sleepy Hollow, in Deutschland im Jahr 2000 erschienen. Gespielt von Johnny Depp, steht Constable Ichabod Crane im Mittelpunkt der Handlung. Der Ermittler aus New York soll mysteriöse Todesfälle im Städtchen Sleepy Hollow aufklären. Mit neuartigen Methoden versucht er, das Rätsel des kopflosen Reiters zu lösen – und muss schnell feststellen, dass er es mit einem übernatürlichen Phänomen zu tun hat.

Szene aus "Sleepy Hollow".
Die Serie "Sleepy Hollow" bietet einen guten Mix aus Action und Humor (© 20th. Century Fox).

Die gleichnamige Fernsehserie aus dem Jahr 2014 transportiert die Charaktere ins 21. Jahrhundert. Ichabod Crane (Tom Mison), der 1781 im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg starb, erwacht 2013 zu neuem Leben. Die fürchterlichen Taten des mörderischen Reiters, dem Crane schließlich den Kopf abgeschlagen hatte, werden nun ihm angehängt. Zusammen mit der Polizistin Abbie Mills (Nicole Beharie) will er seine Unschuld beweisen. Schnell wird klar: Ihr Feind ist ein Vorbote der Apokalypse, die es zu verhindern gilt. Diese Fernsehserie begeistert Zuschauer nicht nur durch witzige Szenen, sie bietet mit Spezialeffekten auch viele actionreiche Momente.

Szene aus "Shooter".
Der Scharfschütze Shooter gerät ins Fadenkreuz (© Paramount Pictures).

Shooter: Bestätigt die Regel

Der Kinofilm Shooter von Regisseur Antoine Fuqua kam 2007 auf die großen Leinwände. Die TV-Adaption erzählt eigentlich dieselbe Geschichte, bietet allerdings eine facettenreichere Betrachtung der Hauptfigur Shooter.

Schauspieler Ryan Phillippe verkörpert Shooter, den Scharfschützen Bob Lee Swagger, der fälschlicherweise für ein Attentat auf den US-Präsidenten verantwortlich gemacht wird. Swagger flüchtet vor dem FBI und versucht händeringend, seine Unschuld zu beweisen. Gleichzeitig muss er seine Familie schützen. Swaggers Fall sorgt bei FBI-Agentin Nadine Memphis (Cynthia Addai-Robinson) für ein mulmiges Bauchgefühl. Intuitiv weiß sie, dass an der Anklage etwas nicht stimmt. Memphis ermittelt verdeckt, ohne jedoch zu ahnen, dass sie einer Verschwörung auf der Spur ist. Damit riskiert sie ihre Karriere – und ihr Leben.

Die Figur von Swagger wurde jedoch nicht von Regisseur Fuqua erschaffen. Autor Stephen Hunter schrieb 1993 den Roman Im Fadenkreuz der Angst. Darin erweckte er Swagger zum Leben. Bis 2014 folgten acht weitere Bücher. Im Film gelang es jedoch nicht, der Komplexität der Hauptfigur gerecht zu werden – die rund 120 Minuten waren dafür einfach zu kurz. Die TV-Adaption ist nun die zweite Chance und soll genau das liefern. 

Kino versus Fernsehen

Fargo, Bates Motel und Westworld sowie andere erfolgreiche Ableger wie The Walking Dead oder Twin Peaks werfen die Frage auf: Ist Fernsehen das bessere Kino? Nicht wenige Zuschauer sehen Serien sogar als wahre Champions League. Denn wer erstklassige TV-Serien produziert, ist ein gefeierter Held. Schließlich ist es besonders schwierig, den Spannungsbogen über viele Staffeln hinweg aufrechtzuerhalten.

Diese Serien findet ihr als Video on Demand bei Videoload auf EntertainTV

Bates Motel
Westworld
Fargo
Sleepy Hollow
Shooter

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