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Zombiefilme: Vom Mythos zum Mainstream

Zombies sind einfach nicht totzukriegen: Seit Jahrzehnten geistern die lebenden Leichen über die Leinwand und sorgen in unzähligen Serien und Filmen dafür, dass den Zuschauern das Blut gefriert. Aber wo haben Zombies eigentlich ihren Ursprung? Und welche dramaturgischen Phasen haben die Untoten in ihrer 80-jährigen Filmkarriere durchlaufen?

Filmszene aus Dawn of the Dead © Universal Pictures Home Entertainment

Ursprünge des Zombie-Kults

Beherzt zubeißende Zeitgenossen mit Vorliebe für Menschenfleisch sind keine Erfindung der Filmindustrie: Sie stammen aus dem karibischen Voodoo-Kult, der vor allem in Haiti bis heute Hochkonjunktur hat. Bis zu 1.000 Zombifizierungsfälle soll es pro Jahr auf der Insel geben. Schuld daran sei böser Zauber, glauben die Haitianer: Dunkle Priester, sogenannte „Bokor“, töten Menschen durch einen Fluch und erwecken sie danach als willenlose Sklaven wieder zum Leben.


Hinter dem Mythos steckt jedoch ein makabrer medizinischer Trick: Ein Drogencocktail lähmt den Herzschlag, bis er kaum noch wahrnehmbar ist. Das Opfer scheint tot zu sein. Ebbt die Wirkung des „Zombiepulvers“ ab, wacht der vermeintlich Tote wieder auf. Das Opfer kann sich durch die Nervenschädigung jedoch nicht mehr klar artikulieren und kommt nur noch schleppend voran. Bis zum lebenden Untoten, der dem Grab entsteigt und stöhnend über die Erde torkelt, ist es da nur noch ein kleiner Schritt.

Infizierung der westlichen Popkultur

Die US-amerikanische Besetzung Haitis führte vor rund 80 Jahren dazu, dass auch die westliche Popkultur mit dem Zombievirus infiziert wurde. Seitdem tummeln sich die Untoten nicht nur im Kino, sondern auch in Comics, Computerspielen und Musikvideos. Sogar für einen Cocktail stand der Zombie Pate. Auf der Leinwand entfernten sich die Untoten jedoch immer weiter von ihrem Ursprungsmythos. Die Sklavenzombies aus den Anfängen des Gruselfilms waren schwerfällig, vorhersehbar und nicht sonderlich clever. Der heutige Zombie ist da wesentlich weiter: Er kann rennen, springen und klettern – eine intelligente Bestie, die auf der Jagd nach dem nächsten Stück Menschenfleisch kaum zu stoppen ist. Der Faszination tat dies keinen Abbruch: Seit fast 80 Jahren erfindet der Zombiefilm sich immer wieder neu und macht auch vor Genregrenzen keinen Halt. 

Anfänge des Zombiefilms

Zu Beginn der 1930er-Jahre treiben Dracula, King Kong und Frankensteins Monster ihr Unwesen auf den Kinoleinwänden. Kurz darauf folgte der erste Film, der die untoten Beißer in den Mittelpunkt der Handlung stellte: White Zombie (1932) mit Bela Lugosi. Er etablierte die skurrilen Wesen als feste Größe im Horror-Genre und lieferte die Blaupause für weitere Filme wie King of the Zombies (1941) und I Walked with a Zombie (1943).

Ungarischer Schauspieler Bela Lugosi (rechts) am Set von White Zombie, vom Regisseur Victor Halperin © Getty Images

Mit den gefräßigen Untoten, wie wir sie heute kennen, hatten diese ersten Film-Zombies aber wenig zu tun: Sie waren Einzelgänger, die durch den Voodoo-Zauber skrupelloser Meister gefügig gemacht wurden. Weder traten sie zu einer intelligenten Herde zusammen, noch zeichneten sie sich durch besondere Brutalität aus. Es dauerte bis zum Jahr 1968, ehe der „moderne“ Zombie das Licht der Welt erblickte.

Beginn der „Zombie-Apokalypse“

Grunzen, Stöhnen, Knurren. Leere Blicke aus Augenpaaren, in denen kein Funken Menschlichkeit mehr steckt. So bahnt sich das Heer lebender Leichen seinen Weg, getrieben von der Gier nach Menschenfleisch. Das ist das typische Zombie-Szenario, das sich durch zahllose Horrorfilme in unsere Netzhaut eingebrannt hat.

Szene aus Night of the living Dead © Splendid / WVG

Schuld daran ist ein Mann, der dem Genre seinen blutigen Stempel aufgedrückt hat: George A. Romero. Schon mit seinem Erstlingswerk von 1968 erreichte der Regisseur Kultstatus: Night of the Living Dead wurde bis heute unzählige Male kopiert, parodiert und neu verfilmt. Der Zombie-Pionier weckte in den Untoten das unstillbare Verlangen nach Menschenfleisch und schuf so die Schreckensgestalten, die uns heute noch das Blut in den Adern gefrieren lassen. Zwar hatten die Zombies immer noch ihren schwerfälligen Gang, stürzten sich fortan aber im Rudel auf ihre Opfer.

Night of the Living Dead markierte außerdem den Beginn der „Zombie-Apokalypse“ im Film: Der Biss eines einzelnen, relativ ungefährlichen Zombies infiziert das Opfer, das sich daraufhin ebenfalls in einen Untoten verwandelt. Eine überschaubare Gruppe aus Individuen wächst so schnell zu einer unkontrollierbaren Masse, einer apokalyptischen Bedrohung heran.

Filmplakat von Dawn Of the Dead (1978) © Getty Images

Vom Low Budget in den Mainstream

Zehn Jahre nach Night of the Living Dead kam die Fortsetzung des Kultfilms ins Kino. Dawn of the Dead machte George A. Romero weltberühmt und zum einflussreichsten Horrorfilm-Regisseur überhaupt. Vielen Fans gilt die Low-Budget-Produktion als bester Zombiefilm aller Zeiten. Selbst Zack Snyder, der dem Klassiker 2004 eine Frischzellenkur verpasste, konnte mit seiner Neuverfilmung dem Original nicht das Wasser reichen.

George A. Romero lässt in Dawn of the Dead ganze Zombiehorden durch eine Shopping Mall marodieren und versteckt darin beißende Kritik am Konsumterror der amerikanischen Gesellschaft. Trotz seiner exzessiven Gewaltszenen spülte Dawn of the Dead 55 Millionen Dollar in die Kassen und begünstigte Ende der Siebziger-Jahre eine Welle, die den Markt mit unzähligen B-Movies flutete. Der Zombiemythos der haitianischen Ureinwohner verschwand damit jedoch fast vollständig aus den Filmen.

Formationstanz der Untoten

Nach dem Erfolg von Dawn of the Dead dürstete die Filmindustrie nach mehr: Das Genre sollte die Massen erobern. Schließlich waren Zombies angesagt und liefen den anderen Filmmonstern den Rang ab. Das blieb auch dem „King of Pop“ nicht verborgen: In seinem Musikvideo zu Thriller ließ Michael Jackson 1982 einige Untote zum Formationstanz antreten. Das Video gilt heute als Meilenstein und das Album avancierte zum meistverkauften aller Zeiten.

© 1982 MJJ Productions Inc.

Auch im Kino schlugen Zombiefilme in den 80er-Jahren ein wie eine Bombe. Filme wie Re-Animator oder Day of the Dead, der dritte Teil von George A. Romeros Zombie-Reihe, waren hochwertige Produktionen mit sehenswerten Effekten, die das Budget ihrer trashigen Vorgänger um ein Vielfaches überstiegen.

ZomComs: Die lustige Seite der Zombie-Apokalypse

Selbst vor Komödien machte der anhaltende Zombie-Boom nicht Halt: The Return of the Living Dead zeigte 1985, dass Zombies auch witzig sein können. Selbst Der Herr der Ringe-Regisseur Peter Jackson tobte sich 1992 bei einer Zombie-Persiflage aus: 5.000 Liter Kunstblut flossen angeblich beim Dreh von Braindead.

Die Filme halfen damit einem Genre auf den Weg, das erst 20 Jahre später so richtig aufblühte: Zombie Comedies, kurz „ZomComs“. Streifen wie Zombieland oder Dead Snow übertrugen den überspitzten Humor ihrer Vorgänger ins neue Jahrtausend und lieferten den Beweis, dass die Zombie-Apokalypse auch Spaß machen kann. 2004 fügte Shaun of the Dead dem Genre sogar noch eine weitere Facette hinzu: die „RomZomCom“ kombinierte „ZomCom“ und „RomCom“ und hauchte dem angestaubten Genre neues Leben ein.

Die Zombie-Epidemie im neuen Jahrtausend

Ende der 90er-Jahre schien der Zombie-Hype ein Ende gefunden zu haben. Doch der Schein trügte: Zu Beginn des neuen Jahrtausends kam es erneut zu einer weltweiten Zombie-Epidemie, in deren Zentrum Virusinfektionen standen. Den Anfang machte Resident Evil im Jahr 2002. Milla Jovovich verkörperte darin die Killermaschine Alice, die gegen seelenlose Zombies einen Kampf um die Rettung der Menschheit führte. Die Videospielverfilmung war zwar mehr Actionfilm als Zombiesplatter, aber so erfolgreich, dass 2017 bereits der sechste Teil von Resident Evil auf der Leinwand erschien.

Auch Danny Boyle verlieh dem Horror mit 28 Days Later neue Impulse. Die Welt wird darin von einem Virus infiziert, das den Laboren entwichen ist und die Menschen zu Bestien macht. Von torkelnden Untoten, die behäbig über die Erde schlurfen, kann jedoch keine Rede mehr sein: Die Zombies springen, rennen und sind intelligent.

Lennie James und Andrew Lincoln in The Walking Dead © 20thCenturyFox / AMC

Heute wird die Geschichte der Zombies vor allem in Serien weitergesponnen: Ob The Walking Dead, Santa Clarita Diet oder iZombie – die wandelnden Toten verlassen auch nach 80 Jahren noch ihre ausgetretenen Pfade und haben keine Angst, sich neu zu erfinden. Unterkriegen lassen sie sich jedenfalls nicht. Oder wie es George A. Romero in Dawn of the Dead ausdrückte: „Wenn in der Hölle kein Platz mehr ist, kommen die Toten auf die Erde zurück.“ Oder eben auf die Leinwand.

Die Untoten von heute

Zerstörte Metropolen, blutgierige Zombies und mittendrin Brad Pitt: Spätestens mit World War Z (2013) sind die lebenden Toten im Popcornkino angekommen. Auch wenn der Streifen nicht zu den besten Zombiefilmen gehört – der teuerste war World War Z mit Produktionskosten von 125 Millionen Dollar auf jeden Fall.

© Paramount Germany

Die "Zombie Apocalypse" hat euch so richtig in Endzeitstimmung gebracht? Hier findet ihr weitere Epidemie-Filme im Faktencheck! 

Diese Filme findet ihr als Video on Demand bei Videoload auf EntertainTV

Dead Snow
iZombie
Resident Evil
The Walking Dead
World War Z
Zombieland

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